Kategorie-Archiv: Allgemein

Selbstverständlich Selbstverwaltet

Das Kulturbüro Sachsen e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Strukturen und Werte gelebter Demokratie zu etablieren und zu stärken. Selbstverwaltete Räume für junge Menschen bieten hier ein enorm hohes Potenzial.

Je nach Kontext und Situation vor Ort spielen erwachsene Sozialarbeiter*innen in solchen Räumlichkeiten entweder keine oder eine begleitende Rolle. Wo die Reise hingeht, bestimmen die jungen Betreiber*innen selbst. Jugendlichen wird so nicht nur die Möglichkeit geboten, konkret über eigene Belange zu bestimmen. Sie lernen auch die schönen wie anstrengenden Seiten des demokratischen Miteinanders kennen.

Wenn Jugendliche bekanntgeben, dass sie einen selbstverwalteten Jugendclub gründen wollen, stehen vielen Erwachsenen die Haare zu Berge und sie fragen, wie fähig und zuverlässig die
jungen Menschen sind. Dann wird angenommen, dass es zu Konflikten um
Lautstärke und Sauberkeit oder mit Anwohner*innen und Ordnungsbehörden
kommen wird. Und oft wird ihnen unterstellt, nur einen Platz zum Rumhängen
zu suchen. Häufig führen diese Befürchtungen dazu, dass das Engagement der Jugendlichen nicht ernst genommen, nicht unterstützt oder gar aktiv behindert wird. Derweil engagieren sich schon heute viele Jugendliche in Räumen, in denen sie selbst das Sagen haben. Um die Bedenken Erwachsener zu minimieren, haben wir uns entschieden, eine Broschüre zum Thema zu erstellen – mit Beispielen gelingender Selbstverwaltung. Die Broschüre möchte einen Überblick geben, eventuell vorhandene Berührungsängste abbauen und einige administrative Aspekte vorstellen. Als Kooperationspartner*innen haben wir mit dem Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V., der Sächsischen Landjugend e.V., dem Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V. (kurz juz-united) und anderen Einrichtungen Expert*innen gewinnen können, die von eigenen Erfahrungen berichten.

Die Broschüre findet ihr hier: Broschüre Selbstverständlich Selbstverwaltet

Artikel zur Situation der Jugendhilfe und ihrer Adressaten in Sachsen – Sächsische Zeitung vom 3.11.2017

Wencke Trumpold (Geschäftsführerin Kinder- und Jugendring Sachsen e.V.) und Christian Kurzke (Studienleiter an der Evangelischen Akademie Meißen) in der Sächsischen Zeitung vom 3.11.2017 zur Situation von Kindern und Jugendlichen und der Jugendhilfe in Sachsen. Ein klares und deutliches Plädoyer für überfällige Veränderungen!

Wir müssen reden – auch über Jugendpolitik in Sachsen

 

 

Das neue Angebot des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V.

Zum 1.10.2017 gibt es ein neues Angebot unter dem Dach des LAK: „TRARA – Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention“

Der neue Mitarbeiter Sascha Rusch wurde bei der Mitgliederversammlung vorgestellt. Er präsentierte dort eine Zusammenfassung des Konzeptes. Kurzfristig steht die Aufgabe Arbeitsfähigkeit herzustellen. Für Fragen nutzt bitte vorerst die bekannten Kontaktmöglichkeiten.

„TRARA – Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention“

Die Fachkräfte der MJA und deren Netzwerkpartner*innen (z. B. der offenen Kinder – und Jugendarbeit, der Jugendberufshilfe, der Schulsozialarbeit, der gemeinwesenorientierten Arbeit, der Hilfen zur Erziehung usw.) sind in ihrer täglichen Arbeit im Kontakt mit jungen Menschen, die sich rechtspopulistisch, gruppenbezogen menschenfeindlich und latent rechtsorientiert äußern und verhalten. Islam- und Geflüchtetenfeindliche, rassistische Mobilisierungen haben in den vergangenen fünf Jahren eine neue Quantität aber auch Qualität erreicht. Es zeigt sich, neben einer Teilung vieler Gemeinwesen in Asylablehnende und Befürworter*innen, eine deutliche Vermischung zwischen neonazistischen Strukturen und der bisher kaum bis nicht politisch aktiven, sowie nicht rechtsaffin in Erscheinung getretenen „Mehrheitsbevölkerung“ bis hin zur Einbindung kommunal Verantwortlicher. Dies wirkt deutlich auf die politische Sozialisation junger Menschen, auf die Wahrnehmung von „Sagbarkeiten“, „Dominanzbegründungen“, politisches Aushandlungsverhalten sowie Demokratieablehnung allgemein. Der durch die Mobilisierungen ausgeübte Druck wirkt auf junge Menschen als Aktivitäts- und Identitätsangebot und mündet vielerorts in Hinwendungen zu neonazistischen oder rassistischen Strukturen, Einbindung in Aktivist*innennetzwerke sowie in Inszenierungen kriegerischer Männlichkeiten sowie wehrhafter/ völkischer Weiblichkeiten. Hinzu kommen wieder verstärkt wahrnehmbare Aktivitäten zur strategischen Unterwanderung von Projekten und Einrichtungen der Jugend- und Gemeinwesenarbeit. Hier werden einerseits Versuche unternommen, neue Sympathisant*innen zu gewinnen aber auch nicht Sympathisierende, People of Color und Fachkräfte angefeindet und bedroht. Dies mündet u. a. in Angebote der „nationalen Jugendarbeit“ für „deutsche Jugendliche“ von neonazistischen Szenemitgliedern.

Bisherige Maßnahmen der Qualifizierung in Form von Tagesseminaren und Workshops haben Nachteile wie: Kurzfristigkeit/Blitzlichthaftigkeit, Apellativität, fehlender Teamtransfer/fehlende konzeptionelle Absicherung, Querschnittsinhalte statt Standortspezifik, Bildungs- bzw. Überzeugungsfokus. Beratungsprozesse finden vereinzelt statt, sind aber nicht Teil einer Strategie eines Fachverbands für eine gesamtes Arbeitsfeld oder die Breite der Jugendarbeit. Bestehende Methodensammlungen und methodische Vorschläge sind nur wenig tauglich für dynamische, niedrigschwellige, freiwillige Settings mit wechselnden, heterogenen Adressat*innen(gruppen). Auch aus diesem Grund ist es wichtig, das Verbandsträger und Praktiker*innen in Expert*innen- und Wissenschaftskreise bestehende Umsetzungshürden zurück spiegeln können, um Konzepte gemeinsam im Feld zu entwickeln.

TRARA – das Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention soll in Sachsen Multiplikator*innen der (Mobilen) Jugendarbeit unterstützen, beraten und begleiten, um mit rechtsextremen Orientierungen und Handlungen im täglichen Arbeiten umzugehen und Transferstrategien zu entwickeln, zu erproben und zu verstetigen.

Das Modellprojekt wird beim Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ im Programmbereich E – Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention beantragt. Das Interessensbekundungsverfahren ist positiv verlaufen und der Antrag ist gestellt. Eine Drittmittelfinanzierung wurde über das Weltoffene Sachsen beantragt.

Nach sozialpsychologischen Bedingungen ist es vornehmlich die Sozialisation, das Hineinwachsen in die Gesellschaft, die die Grundhaltungen gegenüber anderen Menschen beeinflusst. Hier muss und kann mobile Jugendarbeit mehr ansetzen und durch ihre breiten Kontakte in den Sozialräumen einen umfangreichen Beitrag zur Abwendung und zum Abbau von Radikalisierungsdynamiken beitragen. Sie ist in der Lage, mit sozialräumlichen Partner*innen, gemeinwesenwirksam Diskurse demokratisch zu prägen. Dies bedeutet eine sozialisatorische Ergänzung in Räumen, in denen, rassistische, nationalistische und völkische Narrationen und Vergewisserungsrhetorik Mainstream sind oder deutlich mehr wahrnehmbar als demokratisch und vielfaltsorientierte Diskurse. Fachkräfte können die Motivlagen und Anforderungen rechtsaffiner, junger Menschen in der ständigen Kommunikation analysieren und Settings schaffen, welche entsprechende Äußerungen/ Inszenierungen in Frage stellen bzw. den Druck mindern, sich entsprechend zu äußern. In der direkten Arbeit mit den Adressat*innen kann dies keine Workshopsettings bedeuten, sondern strategisch angelegte Gesprächs- und Begleitprozesse sowie punktuell Projektmaßnahmen mit non-formalem Bildungscharakter. Hierfür sind entsprechend passende Ansätze auszuwählen und breit ins Arbeitsfeld einzuwirken.

Daraus ableitend braucht es verknüpfte Bildungs- & Beratungsleistungen bezüglich Methoden und Ansätzen z.B zur Arbeit mit demokratiefernen jungen Menschen und denjenigen, die dabei sind sich zu entfernen. Das Modellprojekt soll den Raum für eine geschützte Reflexion bieten und den Rahmen für individuelle Wissens- und Handlungskompetenzerweiterung beim Umgang mit diesen jungen Menschen geben. In Formaten wie Beratung, Begleitung, Coaching und Weiterbildung sollen verschiedene Vorgehensweisen entwickelt und erprobt werden. Der Fachaustausch und der praxisbezogene Austausch mit Expert*innen bundesweit wird vom Modellprojekt initiiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Erweiterung von Wahlmöglichkeiten von jungen Menschen, um demokratische Strukturen zu stärken.

Fachkräfte sind in der Lage (durch besuchte grundlagenbezogene Fortbildungen), eine Einschätzung über Hinwendungsgrade abzugeben und sich im Kontakt demokratisch zu positionieren. Trotzdem stellt sich an vielen Stellen ein Gefühl der Hilflosigkeit bzw. Ohnmacht ein. Weitergehende Kenntnisse zu Ergebnissen aus modellhaften Prozessen, Evaluationen und Studien finden kaum Niederschlag in der Regelpraxis. Dies liegt einerseits an den prekären Arbeitsverhältnissen der Kolleg*innen, andererseits an einem fehlenden fundierten, auf Dauer angelegten Transfer zwischen Wissenschaft sowie Expert*innen-Präventions- und Regelpraxis. Hinzu kommen Leerstellen in der Ausbildung der Fachkräfte, in welcher Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention trotz der hohen Anforderungen in der Praxis nur eine marginale Rolle spielen. Notwendig sind daher Strategien für eine angemessene Fundierung zu den Themen in den Ausbildungsgängen der Sozialen Arbeit sowie intensive Begleitung von Fachkräften in der Praxis, um Handlungssicherheit zu geben. Dies kann der LAK als Dachverband im Verbund mit Expert*innen im Themenfeld im Rahmen von Begleit- und Qualifizierungsprozessen über das Modellprojekt leisten.

Ziel des Modellprojektes ist es, aktuelle pädagogische Ansätze der Radikalisierungsprävention im Zusammenhang mit Ansätzen der Demokratie- und antirassistischen Jugendbildung im Arbeitsfeld der (aufsuchenden) Jugendarbeit im Bundesland zu implementieren.

Projektlaufzeit: 01.10.2017 – 31.12.2019

Projektstandort: Geschäftsstelle des LAK MJA Sachsen e.V. in Chemnitz

Zuständigkeitsbereich: gesamt Sachsen

Positionspapier zum Thema “Bettelnde Kinder” der AG Streetwork Dresden

In Dresden schlagen seit mehreren Monaten vermehr bettelnde Kinder in der Neustadt und der Innenstadt auf. Seitens der Presse fand das eine große Resonanz und löste in Dresden ein breite öffentliche Debatte aus. Die Kolleginnen und Kollegen der AG Streetwork Dresden haben dazu in einem Positionspapier Stellung bezogen.

‘Bettelnde Kinder’ – Positionspapier der AG Streetwork Dresden – Download PDF

Neue Gesetzgebung zur Ausgestaltung des Strafverfahrens 2017

Liebe Kolleg*innen,
am 23.08.2017 wurde im Bundesanzeiger das Gesetz zur effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens veröffentlicht, welches damit in Kraft getreten ist. Inhalt des Gesetzes ist unter anderem eine weitreichende Änderung der Strafprozessordnung. Dies betrifft zum Beispiel den möglichen Einsatz von “Staatstrojanern” zur Onlineuntersuchung ohne Wissen der Betroffenen (§100b) bei einer ganzen Reihe von möglichen Vergehen, dies betrifft unter anderem auch das Asylgesetz, Aufenthaltsgesetz und Betäubungsmittelgesetz. Eine weitere gravierende Änderung unter vielen ist die nun in Kraft getretene Erscheinungspflicht von Zeugen vor Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft – und damit auch vor der Polizei (§163). Die daraus folgenden Auswirkungen sollten wir aufmerksam verfolgen und in die Beratungspraxis einfließen lassen. Außerdem bleibt abzuwarten, inwieweit wir Sozialarbeiter*innen vermehrt zu Zeugenaussagen geladen werden.

Die Veröffentlichung findet sich hier (Seite 2ff.): 
https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117058.pdf%27%5D__1503656046934

Eine Zusammenfassung der Änderungen findet sich bei Legal Tribune Online:
https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/stpo-reform-quellen-tkue-staatstrojaner-verfassungswidrigkeit/

Landluft – Expertise aus dem ländlichen Raum

Zu den aktuellen Problemlagen der Jugendarbeit im ländlichen Raum gehören die Nachwirkungen der Kreisgebietsreformen, die Infrastrukturdebatte und der demografische Wandel. Dies stellt die Kinder- und Jugendarbeit im ländlichen Raum vor die Herausforderung, ein professionelles, flächendeckendes Angebot für Kinder und Jugendliche bereithalten zu müssen und sich dabei den stets ändernden Anforderungen flexibel anzupassen.

Weiterhin gibt es viele Erfahrungen zu Defiziten in der Jugendhilfeplanung und von langjährig angespannten Haushaltslagen in den Kommunen. Die Bedingungen unterscheiden sich damit gravierend von denen in urbaneren Räumen. Zu diesem Fachtag wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Situation richten, Lösungsmöglichkeiten suchen, best practices aufzeigen und neue gemeinsame Wege betreten.

Aktualisierung der Standards auf Bundesebene

Hallo Kolleginnen und Kollegen,

auf diesem Wege möchten wir gemeinsam an der Aktualisierung der Fachstandards der BAG arbeiten.

Plan ist es dieses Dokument bis zum OBST Streetworktreffen am 15.05.2017 online zu kommentieren. Zum Treffen selbst wird sich ein Workshop diesen Kommentaren annehmen und ggf. einarbeiten bzw. verschiedene Versionen erneut online zur Abstimmung bereitstellen. Diese zweite online Kommentierrunde wird zum BAG Streetworktreffen am 04.09.2017 beendet sein. Auf dieser Tagung wird dann beraten, wie wir zu einem abstimmungsfähigen Ergebnis für die Wintertagung 2018 kommen.

Um an der Online-Kommentierung teilzunehmen folgt bitte diesem Link:

https://docs.google.com/document/d/1HyOjwwJcxoDUG3kInfqrG1nKVI2LGpClUXTStCgjFXo/edit

Dokumentation des Sächsischen Streetworktreffens 2016 “mja…passt!”

Die Dokumentation des Sächsischen Streetworktreffens 2016  “mja…passt!” auf Gut Frohberg steht als PDF (ca. 5 MB) zum Download hier bereit: mja…passt_Doku

Der “Corax – Fachmagazin für Kinder – und Jugendarbeit in Sachsen” veröffentlichte in der Ausgabe C 6 auch eine Zusammenfassung: MJA_ Corax_C6_16