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Das neue Angebot des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V.

Zum 1.10.2017 gibt es ein neues Angebot unter dem Dach des LAK: „TRARA – Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention“

Der neue Mitarbeiter Sascha Rusch wurde bei der Mitgliederversammlung vorgestellt. Er präsentierte dort eine Zusammenfassung des Konzeptes. Kurzfristig steht die Aufgabe Arbeitsfähigkeit herzustellen. Für Fragen nutzt bitte vorerst die bekannten Kontaktmöglichkeiten.

„TRARA – Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention“

Die Fachkräfte der MJA und deren Netzwerkpartner*innen (z. B. der offenen Kinder – und Jugendarbeit, der Jugendberufshilfe, der Schulsozialarbeit, der gemeinwesenorientierten Arbeit, der Hilfen zur Erziehung usw.) sind in ihrer täglichen Arbeit im Kontakt mit jungen Menschen, die sich rechtspopulistisch, gruppenbezogen menschenfeindlich und latent rechtsorientiert äußern und verhalten. Islam- und Geflüchtetenfeindliche, rassistische Mobilisierungen haben in den vergangenen fünf Jahren eine neue Quantität aber auch Qualität erreicht. Es zeigt sich, neben einer Teilung vieler Gemeinwesen in Asylablehnende und Befürworter*innen, eine deutliche Vermischung zwischen neonazistischen Strukturen und der bisher kaum bis nicht politisch aktiven, sowie nicht rechtsaffin in Erscheinung getretenen „Mehrheitsbevölkerung“ bis hin zur Einbindung kommunal Verantwortlicher. Dies wirkt deutlich auf die politische Sozialisation junger Menschen, auf die Wahrnehmung von „Sagbarkeiten“, „Dominanzbegründungen“, politisches Aushandlungsverhalten sowie Demokratieablehnung allgemein. Der durch die Mobilisierungen ausgeübte Druck wirkt auf junge Menschen als Aktivitäts- und Identitätsangebot und mündet vielerorts in Hinwendungen zu neonazistischen oder rassistischen Strukturen, Einbindung in Aktivist*innennetzwerke sowie in Inszenierungen kriegerischer Männlichkeiten sowie wehrhafter/ völkischer Weiblichkeiten. Hinzu kommen wieder verstärkt wahrnehmbare Aktivitäten zur strategischen Unterwanderung von Projekten und Einrichtungen der Jugend- und Gemeinwesenarbeit. Hier werden einerseits Versuche unternommen, neue Sympathisant*innen zu gewinnen aber auch nicht Sympathisierende, People of Color und Fachkräfte angefeindet und bedroht. Dies mündet u. a. in Angebote der „nationalen Jugendarbeit“ für „deutsche Jugendliche“ von neonazistischen Szenemitgliedern.

Bisherige Maßnahmen der Qualifizierung in Form von Tagesseminaren und Workshops haben Nachteile wie: Kurzfristigkeit/Blitzlichthaftigkeit, Apellativität, fehlender Teamtransfer/fehlende konzeptionelle Absicherung, Querschnittsinhalte statt Standortspezifik, Bildungs- bzw. Überzeugungsfokus. Beratungsprozesse finden vereinzelt statt, sind aber nicht Teil einer Strategie eines Fachverbands für eine gesamtes Arbeitsfeld oder die Breite der Jugendarbeit. Bestehende Methodensammlungen und methodische Vorschläge sind nur wenig tauglich für dynamische, niedrigschwellige, freiwillige Settings mit wechselnden, heterogenen Adressat*innen(gruppen). Auch aus diesem Grund ist es wichtig, das Verbandsträger und Praktiker*innen in Expert*innen- und Wissenschaftskreise bestehende Umsetzungshürden zurück spiegeln können, um Konzepte gemeinsam im Feld zu entwickeln.

TRARA – das Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention soll in Sachsen Multiplikator*innen der (Mobilen) Jugendarbeit unterstützen, beraten und begleiten, um mit rechtsextremen Orientierungen und Handlungen im täglichen Arbeiten umzugehen und Transferstrategien zu entwickeln, zu erproben und zu verstetigen.

Das Modellprojekt wird beim Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ im Programmbereich E – Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention beantragt. Das Interessensbekundungsverfahren ist positiv verlaufen und der Antrag ist gestellt. Eine Drittmittelfinanzierung wurde über das Weltoffene Sachsen beantragt.

Nach sozialpsychologischen Bedingungen ist es vornehmlich die Sozialisation, das Hineinwachsen in die Gesellschaft, die die Grundhaltungen gegenüber anderen Menschen beeinflusst. Hier muss und kann mobile Jugendarbeit mehr ansetzen und durch ihre breiten Kontakte in den Sozialräumen einen umfangreichen Beitrag zur Abwendung und zum Abbau von Radikalisierungsdynamiken beitragen. Sie ist in der Lage, mit sozialräumlichen Partner*innen, gemeinwesenwirksam Diskurse demokratisch zu prägen. Dies bedeutet eine sozialisatorische Ergänzung in Räumen, in denen, rassistische, nationalistische und völkische Narrationen und Vergewisserungsrhetorik Mainstream sind oder deutlich mehr wahrnehmbar als demokratisch und vielfaltsorientierte Diskurse. Fachkräfte können die Motivlagen und Anforderungen rechtsaffiner, junger Menschen in der ständigen Kommunikation analysieren und Settings schaffen, welche entsprechende Äußerungen/ Inszenierungen in Frage stellen bzw. den Druck mindern, sich entsprechend zu äußern. In der direkten Arbeit mit den Adressat*innen kann dies keine Workshopsettings bedeuten, sondern strategisch angelegte Gesprächs- und Begleitprozesse sowie punktuell Projektmaßnahmen mit non-formalem Bildungscharakter. Hierfür sind entsprechend passende Ansätze auszuwählen und breit ins Arbeitsfeld einzuwirken.

Daraus ableitend braucht es verknüpfte Bildungs- & Beratungsleistungen bezüglich Methoden und Ansätzen z.B zur Arbeit mit demokratiefernen jungen Menschen und denjenigen, die dabei sind sich zu entfernen. Das Modellprojekt soll den Raum für eine geschützte Reflexion bieten und den Rahmen für individuelle Wissens- und Handlungskompetenzerweiterung beim Umgang mit diesen jungen Menschen geben. In Formaten wie Beratung, Begleitung, Coaching und Weiterbildung sollen verschiedene Vorgehensweisen entwickelt und erprobt werden. Der Fachaustausch und der praxisbezogene Austausch mit Expert*innen bundesweit wird vom Modellprojekt initiiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Erweiterung von Wahlmöglichkeiten von jungen Menschen, um demokratische Strukturen zu stärken.

Fachkräfte sind in der Lage (durch besuchte grundlagenbezogene Fortbildungen), eine Einschätzung über Hinwendungsgrade abzugeben und sich im Kontakt demokratisch zu positionieren. Trotzdem stellt sich an vielen Stellen ein Gefühl der Hilflosigkeit bzw. Ohnmacht ein. Weitergehende Kenntnisse zu Ergebnissen aus modellhaften Prozessen, Evaluationen und Studien finden kaum Niederschlag in der Regelpraxis. Dies liegt einerseits an den prekären Arbeitsverhältnissen der Kolleg*innen, andererseits an einem fehlenden fundierten, auf Dauer angelegten Transfer zwischen Wissenschaft sowie Expert*innen-Präventions- und Regelpraxis. Hinzu kommen Leerstellen in der Ausbildung der Fachkräfte, in welcher Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention trotz der hohen Anforderungen in der Praxis nur eine marginale Rolle spielen. Notwendig sind daher Strategien für eine angemessene Fundierung zu den Themen in den Ausbildungsgängen der Sozialen Arbeit sowie intensive Begleitung von Fachkräften in der Praxis, um Handlungssicherheit zu geben. Dies kann der LAK als Dachverband im Verbund mit Expert*innen im Themenfeld im Rahmen von Begleit- und Qualifizierungsprozessen über das Modellprojekt leisten.

Ziel des Modellprojektes ist es, aktuelle pädagogische Ansätze der Radikalisierungsprävention im Zusammenhang mit Ansätzen der Demokratie- und antirassistischen Jugendbildung im Arbeitsfeld der (aufsuchenden) Jugendarbeit im Bundesland zu implementieren.

Projektlaufzeit: 01.10.2017 – 31.12.2019

Projektstandort: Geschäftsstelle des LAK MJA Sachsen e.V. in Chemnitz

Zuständigkeitsbereich: gesamt Sachsen

Spendenübergabe an Nightlife-Streetwork

Sachgebietsleiter Lutz Wiederanders, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Bildung Dr. Nicolas Tsapos, Projektleiterin Mobile Jugendarbeit Katrin Zschuckelt, Alexander Malios, Vorstandsvorsitzender Leipziger Kinderstiftung

v. l. n. r.: Sachgebietsleiter Lutz Wiederanders, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Bildung Dr. Nicolas Tsapos, Projektleiterin Mobile Jugendarbeit Katrin Zschuckelt, Vorstandsvorsitzender Leipziger Kinderstiftung Alexander Malios (Bildquelle: Straßensozialarbeit Leipzig)

Das Sachgebiet Straßensozialarbeit am Amt für Jugend, Familie und Bildung und der Mobile Jugendarbeit Leipzig e. V. führen seit 2012 gemeinsam das Projekt “Nightlife-Streetwork” durch. Dabei werden sie vom Leipziger Kinderstiftung e. V. finanziell unterstützt.

Das Projekt wird ein Mal monatlich an Diskothen und bei größeren Partys durchgeführt. Die Leipziger Streetworker_innen informieren über die Risiken von Alkohol- und Drogenkonsum im Partykontext und verteilen so genannte One-Night-Stand-Packs mit Kondomen und Infomaterial zu sexuell übertragbaren Krankheiten (STI). Mit dem Ansatz universeller Prävention werden jeweils ca. 500 junge Menschen erreicht.

Die öffentliche Spendenübergabe in Anwesenheit des Amtsleiters Dr. Nicolas Tsapos fand in den lokalen Medien Niederschlag:

Leipziger Volkszeitung, 18. März 2015, Seite 18

Jugendsozialarbeit auch in Diskotheken

Der Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen ist laut Sächsischem
Drogen- und Suchtbericht 2014 leicht rückgängig. Einen Teil dieses
Erfolgs können sich sicherlich die Straßensozialarbeiter – sogenannte
Streetworker – auf die Fahne schreiben, die Jugendliche aktiv ansprechen
und aufklären.
So auch bei dem Projekt “Nightlife-streetwork” in Leipzig: Hier werden
junge Partygänger mit dem Slogan “Sprich mit uns” vor Clubs, Diskotheken
und auf der Kleinmesse für die Gefahren des Nachtlebens sensibilisiert.
Seit fünf Jahren existiert die Kooperation zwischen dem Verein “Mobile
Jugendarbeit Leipzig” und der Stadt Leipzig, seit drei Jahren gibt es
dabei finanzielle Unterstützung durch die Leipziger Kinderstiftung.
Deren Vorstandsvorsitzender Alexander Malios freute sich gestern, die
jährliche Spende von 2000 Euro übergeben zu können: “Wir wollen
,Nightlifestreetwork’ langfristig unterstützen, damit die Maßnahmen
nicht nur fortgeführt, sondern auch erweitert werden.”
Mit den 2000 Euro finanzieren die Streetworker Flyer, Verhütungs-Pakete
und anderweitige Ausrüstung. In Viererteams und mit großen “Sprich uns
an”-Taschen um den Hals ziehen sie dann los, um Partygänger in der
Warteschlange anzusprechen. “Nicht alle wollen mit uns reden”, erklärt
Streetworker Willie Wildgrube, “aber insgesamt kommt unser Angebot gut
an. Wir kommen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, sondern
erklären offen die Risiken und worauf die Jugendlichen bei Alkohol,
Drogen und Sex achten sollten.” ie

Weitere Fundstellen bei

Unterstützen oder Bestrafen? Welche Drogenpolitik ist zeitgemäß und erfolgreich?

Am 17. September 2014 fand in Dresden eine Podiumsdiskussion zur Drogenpolitik mit Beteiligung unseres Mitgliedes Treberhilfe Dresden e. V. statt. Als Gäste waren geladen:

  • Frank Tempel (MdB), Drogenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
  • Jens Hoffsommer, Sprecher für Jugend und Soziales der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNE im Stadtrat Dresden
  • Thorsten Deigweiher, Dipl. Sozialpädagoge, Angebotskoordinator für die Mobile Jugendarbeit und Streetworker bei der Treberhilfe Dresden e. V.

Moderiert wurde die Diskussion von René Jalaß (Mitglied im Landesvorstand DIE LINKE. Sachsen und Sozialarbeiter). Hier gibt es einen Audiomitschnitt Weiterlesen

Jugendhilfetag Landkreis Zwickau: Kritik an Sozial-Sparkurs

Jugendhilfetag Zwickau 2013Am 13. November 2013 fand der Jugendhilfetag des Landkreises Zwickau zum Thema „Prävention versus Intervention“ statt, auf welchem unser Bildungsreferent Tom Küchler als Podiumsgast vertreten war. Die Freie Presse schrieb im Nachgang:

»Scharfe Worte und Applaus von vielen der etwa 150 Gäste des Jugendhilfetages gab es während des Expertengesprächs für Kritik am Sparkurs in der Sozialarbeit. Tom Küchler vom Landesarbeitskreis „Mobile Sozialarbeit“ [richtig: Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. – d. A.] kritisierte in der Lindenschule in Crimmitschau den Abbau der sogenannten freiwilligen Leistungen. „Das System ist momentan total kaputt“, sagte Küchler.« (Quelle: Freie Presse: “Kritik an Sozial-Sparkurs” abgerufen am 19.11.2013)

Weiterhin nahm Tom Küchler eine kritische Perspektive zum Präventionskonzept in der Jugendarbeit ein: Prävention ist keine Jugendarbeit! Wenn Jugendarbeit unreflektiert den Präventionsgedanken übernimmt, wird sie zum „Knecht staatlicher und kommunaler Jugendkontrolle“. (vgl. Benedikt Sturzenhecker in Sozialmagazin Heft 1/2000)