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... Probleme, die junge Leute machen ...

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Raimo
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... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Raimo » 18. Okt 2016 14:11

Moin liebe Kolleginnen und Kollegen,
mal ein Thema aus der Sparte: Ich weiß es nicht genau, deswegen frag ich euch hier im Forum, denn schließlich ist das Forum dafür da.

Also, folgender Sachverhalt, verbunden mit der Frage ob sich daraus in irgendeiner Form ein Auftrag für die Mobile Jugendarbeit ergibt/ ergeben könnte und falls ja, welche(r)? Und falls die Antwort nein lautet, was kann man dann tun?

In meinem Gebiet/ Territorium/ Planungsraum zeigen sich seit etwa zwei, drei Monaten verschiedene Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum. "Völlig normal", wird wohl der oder die Eine oder Andere von euch sagen, aber für unsere Kleinstädtischen Verhältnisse ist eine Häufung, wie derzeit zu beobachten ist, nicht normal. Das hat eine neue Qualität erreicht.
Wir reden hier von Schmierereien an Häuserwänden/ Stromkästen mit Bezug zu regionalen Fußballmannschaften, vornehmlich DD. Aber auch Schmierereien/ Beschädigungen von Graffiti-Jugenprojekten, welche mit 100 Teilnehmerinnen (oder sogar mehr) im öffentlichen Raum gestaltet worden. Auch eine Ausbesserung der Schmierereien an einem Jugendprojekt verhinderte nicht, dass es in der nächsten Woche erneut beschädigt wurde.
Daneben gibt es aber auch Zerstörungen, so etwa unser Tornado-Denkmal im Stadtpark, welches an die weitreichende Zerstörung der Stadt und seiner Ortsteile im Jahr 2010 erinnert. Dieses Bestand zu Teil aus Glas und ist zerdroschen worden.
Man kann jetzt vermuten, dass dieses durch junge Menschen verursacht wurde, aber nicht einmal das ist sicher.

So. Und hier ist das Dilemma: Mobile Jugendarbeit soll ja für Probleme zuständig sein, die junge Menschen haben und nicht für jene, welche sie machen. (Das Wort Probleme ist Mist, aber die Formaulierung ist gut.) Aber ich habe dennoch das Gefühl, dass Mobile Jugendarbeit irgendetwas dazu leisten sollte, wenn ich auch gar nicht recht weiß, was eigentlich? Präventiv irgendwas...? Verlagerung von Streetwork in die Abend und Nachtsstunden...?
Ich habe keine Ahnung. Nicht einmal, ob es überhaupt ein Thema für Mobile Jugendarbeit ist.

Danke für eure Aufmerksamkeit.
Bin für jede Meinung und jede Hilfe dankbar.

Sascha
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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Sascha » 18. Okt 2016 16:23

Hallo Raimo,

bzgl. der Graffiti-Geschichte könnte es helfen, den temporären Charakter derartiger Kunst in den Fokus zu nehmen. Es wird immer wieder vom "ungeschriebenen" Gesetz gesprochen, daß die Arbeit eines anderen nicht "angefasst" wird. Per se ist Graffiti jedoch draußen angebracht, gern auch mal auf Flächen, wo es nicht sein soll, und daher sowohl wettertechnisch, als auch durch die Wahl des Ortes vergänglich. Hier gibt es in letzter Zeit eine einsetzende Veränderung, Bilder zu bewahren und ihre Dauerhaftigkeit zu postulieren. Das "Ergänzen" oder Übermalen bestehender Bilder zu verhindern scheint mir müßig. Hilfreich könnte sein, die Übermalenden kennenzulernen und sie einzubinden. Hier kommt für mich dann auch der Bogen zum zweiten Thema: Per se klingt es für mich nach ordnungspolitischem Problem und daher nicht unmittelbar Aufgabe von MJA. Die Frage ist, ob Du durch Deine von mir unterstellte ( ;) ) gute Vernetztheit und Bekanntheit im Sozialraum in Erfahrung bringen kannst, wer das randaliert und sprüht. Wenn Du Kontakt zu den Personen bekommst und sie in die Zielgruppe fallen, kannst Du nach ihren Bedürfnissen forschen. Auch wenn sie älter sind, könntest Du mit anderen Akteuren im Raum nach Lösungen suchen. Irgendetwas bewegt die Menschen ja offensichtlich, die Frage ist, ob sie sich drauf einlassen wollen, nach einer sozial verträglichen Lösungsstrategie zu suchen.
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Alexander Beuschel
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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Alexander Beuschel » 18. Okt 2016 16:48

Ich sehe das ähnlich. Ebenso kann es vielleicht Sinn machen, mit dem Ordnungsamt in Kontakt zu treten. Wenn diese etwas wissen bzw. Leute identifizieren kann es Sinn machen anzubieten mit ebendiesen zu arbeiten. Statt zu sanktionieren.
Schwierig wird es natürlich wenn niemand etwas weiß. Wobei ich jetzt mal unterstelle, dass einige der Kids oder der dauerpräsenten Pfandjäger_innen was wissen - bei uns ist das zumindest so...

andre
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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von andre » 20. Okt 2016 13:17

Wie bereits durch Sascha und Alex erwähnt steht der ordnungspolitische Auftrag (im einfachsten Fall) nicht auf der Agenda! Im Rahmen des Gemeinwesenauftrag bietet sich die Kommunikation und Einbindung der Akteure immer an! Evtl. kann man ja auch mal mit den Kooperationspartnern (FanProjekte z.B. von DD in DD) reden ob die Möglichkeiten sehen evtl. mit Euch zusammen ein Themenbezogenes Projektangebot zu initiieren. Also entsprechend der Thematiken welche in den Sachbeschädigungen verarbeitet werden aufzugreifen und gemeinsame alternativen schaffen.
In der Kommunikation mit den öffentlichen ist es sicher sinnvoll immer zu erwähnen das MJA kein reaktiver Ansatz ist und immer seine Zeit braucht!
Zu dem Tornadodenkmal: dieses würde ich ausklammern und gesondert betrachten. Hat eine andere Qualität!
jlg andré

Alexander Beuschel
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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Alexander Beuschel » 14. Nov 2016 11:25

Ahoi Raimo,

gibt es neue Entwicklungen?

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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Raimo » 14. Nov 2016 12:15

Ach naja, nein. Oder besser, es entwickelt sich. Wohin auch immer.

... zuletzt gab es auch mal eine Messerstecherei und ein versuchtes, bewaffnetes Ausrauben eines Passanten auf offener Straße. Und vor ca. 3 Wochen wurden innerhalb eines Wochenendes an acht Bushaltestellen die Scheiben zutrümmert. Das spielt schon in die beobachtete Entwicklung mit rein, aber ich will das weder verharmlosen noch überdramatisieren. Das ist alles nicht schön und gemessen am Idealzustand menschlichen Zusammenlebens ist das großer Mist. Im Vergleich zu anderen Kommunen vergleichbarer Größenordnung, scheint es aber auch ganz anders abgehen zu können. Scheint irgendwie auch ne Frage zu sein, welchen Maßstab man anlegt.
Es wurmt mich aber dennoch.

Daneben ist aus euren Beiträgen bei mir aber schon der Gedanke gereift, dass man an den Bedürfnissen der jungen Menschen ansetzen muss - wenn überhaupt eine Chance haben will - und das gezeigte Verhalten, oder den angerichteten Schaden als eine Art Formulierung von Bedürfnissen sehen. Das ist auch der richtige Weg! Allein wie das praktisch aussehen könnte, da hab ich bislang noch nichts.

Alexander Beuschel
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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Alexander Beuschel » 14. Nov 2016 15:11

Die Schlußfolgerung gefällt mir!

Es würde mich sehr interessieren, wie sich der Prozess gestaltet...

Sascha
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Re: ... Probleme, die junge Leute machen ...

Beitrag von Sascha » 16. Nov 2016 17:08

Hey Raimo, danke für die Blumen und ich gehe mit der Schlussfolgerung mit. Wenn Du für die praktische Umsetzung austauschende Unterstützung brauchst gib Ton. Ich denke zum einen kann das ein Auftrag an die Bildungsreferenten sein, oder es gibt im Rahmen der Regionalgruppe Möglichkeit zur Unterstützung.
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