Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Themen, die sonst nirgendwohin passen
Georg
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Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Die derzeitigen Einschnitte in das gewohnte und öffentliche Leben aufgrund der Corona-Pandemie werden in den einzelnen Projekten zu vielen unterschiedlichen Fragen führen bezüglich der Organisation von Arbeit und der weiteren Unterstützung der Adressat*innen bei denen sich wiederum auch neue Fragen der Grundversorgung und Grundsicherung dringend stellen werden. Wir möchten daher aufrufen die Verantwortung Sozialer Arbeit besonders auch in Krisenzeiten ernst zunehmen und die eigenen Adressat*innen aufzuklären und zu unterstützen, dies gilt insbesondere für vulnerable Gruppen wie Menschen ohne Wohnung und Menschen in Armut.
Als Bildungsreferent*innen sehen wir unsere Aufgaben darin, zu vernetzen und ansprechbar zu sein für kurzfristige Beratungen. Nutzt gern diesen Ort hier um eure Fragen zu stellen und euch thematisch zu vernetzen, stellt Ideen vor, wie ihr euch im Projekt organisiert und teilt mögliche Umgangswege mit anderen Projekten.
Simone und ich sind natürlich auch weiterhin telefonisch für Beratungen zu erreichen. Beachtet bitte, dass die Geschäftsstelle aktuell nur unregelmäßig besetzt sein wird und nutzt unsere Mobiltelefone oder Mailadressen:
Simone: 0174 6181152 lak@mja-sachsen.de
Georg: 0157 71418265 grohmann@mja-sachsen.de

Relevante Informationen zum Corona-Virus, seiner Ausbreitung, empfohlenen Maßnahmen und ähnlichem finden sich unter den folgenden Links und auf lokaler Ebene beim zuständigen Gesundheitsamt.

Informationen des Robert-Koch-Instituts: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/N ... /nCoV.html
Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/coronav ... cov-2.html
Informationen des Landes Sachsen: https://www.sms.sachsen.de/coronavirus.html

Informationen zu Corona in leichter Sprache:
beilage_corona_09_03_20-data.pdf
(2.62 MiB) 735-mal heruntergeladen
Informationen des Paritätischen Gesamtverbandes zu arbeitsrechlichen Fragen: Fakenews und Kettenbriefe werden recht zuverlässig von https://www.mimikama.at/ recherchiert und aufgedeckt.

Wie gefährdet bin ich/ sind Personen in meinem Umfeld? Eine Entscheidungshilfe von Zeit Online: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... hutz-tipps


Bleibt gesund, besonnen und solidarisch mit den Menschen um euch herum!

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Gute Initiative hier von euch. Tip-Top!

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Vielen Dank für euer Angebot und die Infos.

Auch ich finde den Hinweis im Dokument des Paritätischen sinnvoll, "dass die Sorge vor einer Ansteckung mit COVID-19 auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsplatz zwar verständlich ist, aber nicht rechtfertigt, dass Arbeitnehmer*innen eigeninitiativ zu Hause bleiben." Dazu habe ich beim SMS noch gefunden, dass Sorgeberechtigte, die in Einrichtungen der Jugendhilfe arbeiten, das "Betreuungsangebot in allen […] Grundschulen und Kindertageseinrichtungen" in Anspruch nehmen können, ihre Kita- und Grundschulkinder nicht zu Hause betreuen müssen, wenn beide bzw. die/der alleinige Sorgeberechtigte in der Jugendhilfe arbeiten: Nummer 3 auf Seite 2 und im Anhang auf der letzten Seite ganz unten.
SMS-Allgemeinverfuegung-Corona-Kita-und-Schulen.pdf
(147.47 KiB) 709-mal heruntergeladen

Ich hoffe, das hilft einigen weiter.
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Ich habe soeben die Handlungsempfehlungen der LAG Baden-Württemberg erhalten, welche ich hier zur Information stellen möchte:
2020-03-16 Handlungsempfehlungen LAG.pdf
(296.47 KiB) 773-mal heruntergeladen
Zusammengefasst empfehlen sie bis auf weiteres keine Gruppenangebote und keine aufsuchende Arbeit durchzuführen sowie Einzelarbeit wenn möglich über Medien (Telefon, soziale Netzwerke, Messenger und Mail) anzubieten.

Auch diese Handlungsempfehlung kann hier gern diskutiert werden, ich würde ebenso eure Erfahrungen und Umgangswege nach Baden-Württemberg zurückmelden.

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Hallö und Danke für schnell! ;)

Gerade in den Punkten keine Einzelhilfe und - vor allem - keine Streetwork gehen mir die Empfehlungen zu weit, aber es ist halt ihre professionelle Stellungnahme. In puncto Kontaktvermeidung ist beides unbedingt richtig, aber meine These ist, dass wir - zumindest teilweise - mit und für Menschen arbeiten, die unsere besondere Unterstützung benötigen. Unter diesen gibt es einige, die über keinerlei elektronische Kommunikation (wie auch keinen Briefkasten) verfügen.

Darüber hinaus halte ich es für nicht sinnvoll, wenn altbekannte Vorwürfe wie "Menschenansammlungen zu provozieren" zementiert werden. Im Text wäre auch sinnvoll, stärker zwischen Arbeitsschutz und Gefährdung der Adressat*innen (durch MJA, jaja) zu trennen.

Aber insgesamt ist das ein hilfreiches Papier für die MJA in BaWü und eine gute Diskussionsgrundlage z. B. in Sachsen. Mein Dank und Respekt für die Geschwindigkeit kann gerne weitergegeben werden.

BG w
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Willie, du schaffst es meine zweifelnden Gedanken wunderbar in Worte zu fassen, nicht schlecht :)
Ich denke auch, dass die MJA in vielen Fällen wunderbare Onlinetools nutzen kann, um mit vielen Menschen in Kontakt und in Beziehung zu bleiben und gleichzeitig den Face-to-Face-Kontakt zu vermeiden.
Anders verhält es sich mit Menschen, die eben diese Onlinetools nicht nutzen können, bzw. ganz praktische Grundbedürfnisse befriedigen müssen und damit auf Fachkräfte angewiesen sind. In Armut lebende Menschen, die teils nicht mehr auf Tafeln zurück greifen können, Menschen ohne Krankenversicherungsschutz, Menschen, die auf Unterstützung bei Behördengängen angewiesen sind usw. Hierbei gehen mir die Empfehlungen aus Ba-Wü zuweit, bzw. denke ich, dass eine Abwägung der Eigengefährdung und der Verantwortung besonders schutzbedürftigen Personen gegenüber notwendig ist und bleibt.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Mir geht das generelle Unterlassen der aufsuchenden Arbeit in der Empfehlung aus BaWü auch zu weit. Die Fachkräfte in den Projekten handeln verantwortungsvoll und können je nach Sozialraum die Lage ihrer Adressat*innen einschätzen. Und sicher brauchen nicht alle gerade eine Unterstützung durch MJA, andere dafür um so mehr. Hier braucht es meiner Ansicht nach eine Analyse in jeden Projekt vor Ort in Abwägung mit dem Schutz der Mitarbeitenden sowie einer Riskikoeinschätzung.
Und vielleicht braucht es auch kreative alternative Lösungen. Da habe ich vollstes Vertrauen in unsere sächsischen Fachkräfte und wie gesagt: wir (LAK) denken auch gerne mit :-)

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Mehrsprachige Hinweise zu Corona wurden durch die Johanniter veröffentlicht. Bitte teilt diese gezielt an geflüchtete Menschen. Zu finden auf der Seite des Sächsischen Flüchtlingsrates:

https://www.saechsischer-fluechtlingsra ... allen-aus/

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Auch die AGJF ist sehr fleißig beim zusammentragen von Informationen aus allen Richtungen und hat Informationen für junge Menshcen zusammengestellt:

https://agjf-sachsen.de/corona-virus.ht ... 18FwWicHh0

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Hi.
Eh, ich hab keine Anhnung. Das vorweg. Ich bin immer noch auf der Suche nach einer Haltung zu diesen Vorgängen hier.

Letzte Woche Mittwoch hab ich bei uns im Stadtrat einen Vortrag gehalten. Da ging es auch um ordnungspolitische Maßnahmen und wie diese aus Sicht der Jugendlichen und aus Sicht der Sozialen Arbeit zu bewerten sind. Hat ganz schön Eindruck gemacht, denke ich. Und ich habe auch darüber gesprochen, dass Mobile Jugendarbeit nicht mit dem Ordnungsdienst "auf Streife" gehen kann, eben so, wie wir es hier: viewtopic.php?f=60&t=506 diskutiert haben.

Jetzt haben wir Corona. Und ich soll, da wir ja jetzt Ausnahmezustand haben, als städtischer Mitarbeiter mit der Polizei auf Rundgänge gehen, um zu schauen, ob sich, z.B. alle Einzelhändler hat das Öffnungsverbot halten bzw. ob andere Einrichtungen auch wirklich geschlossen haben. Ich begreif es nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die Maßnahme die kleinen Einzelhandelsläden im ländlichen Raum zu schließen wirklich notwendig oder ob das nicht völlig überzogen ist, und da soll ich kontrollieren gehen.
Ich weiß noch nicht wie ich mich dazu verhalten soll. Denn egal, wie man zu den Vorgängen steht, klar ist, dass jetzt Ausnahmenzustand herrscht. Das ist fakt. Und so lautete auch die Ansage: Na, es ist Ausnahmezustand und ...
Mag sein. Aber es gibt auch eine Zeit nach dem Ausnahmezustand. Und da soll ich dann wieder Mobile Jugendarbeit machen...

Eh schwierig, eh. Einfach machen und nicht weiter drüber nachdenken? Oder verweigern und Abmahnung und Job riskieren? Eh, Job riskieren, weil man nach der Krise wieder seinen Job machen will. Ich begreif es nicht.

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Raimo hat geschrieben:
18. Mär 2020 16:29
Oder verweigern und Abmahnung und Job riskieren?
Hallö, Raimo,

das ist vermutlich die Kernfrage. Natürlich kannst du nicht als "Streetworker" mit den Ordnungsbehörden auf Streife gehen und deren Aufgaben übernehmen. Diese Rolle wird dir aber weiterhin anhaften, und mit ziemlicher Sicherheit verlierst du Anerkennung unter den jungen Menschen, die ja immer auch mit street credibility zu tun hat…

Für deine Entscheidung ist es sinnvoll, deine Personalvertretung nach Rat zu fragen oder eine Fachanwältin für Arbeitsrecht.

Beste Grüße, willie
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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Simone hat geschrieben:
18. Mär 2020 16:00
Auch die AGJF ist sehr fleißig beim zusammentragen von Informationen aus allen Richtungen und hat Informationen für junge Menshcen zusammengestellt:

https://agjf-sachsen.de/corona-virus.ht ... 18FwWicHh0
Danke sehr.

Hast du eine Ahnung, was die Quelle ist für die Besuchsregelungen in KH bzw. Pflege? Die machen meines Erachtens die Einrichtungen selbst und sind damit falsch.

BG w
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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

willie hat geschrieben:
19. Mär 2020 08:09
Simone hat geschrieben:
18. Mär 2020 16:00
Auch die AGJF ist sehr fleißig beim zusammentragen von Informationen aus allen Richtungen und hat Informationen für junge Menshcen zusammengestellt:

https://agjf-sachsen.de/corona-virus.ht ... 18FwWicHh0
Danke sehr.

Hast du eine Ahnung, was die Quelle ist für die Besuchsregelungen in KH bzw. Pflege? Die machen meines Erachtens die Einrichtungen selbst und sind damit falsch.

BG w
Nein eine Quelle habe ich dafür nicht. ich gehe davon aus, dass hier das Hausrecht der jeweiligen Einrichtungen durchgesetzt wird.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Hey Raimo,
das ist wirklich ein starkes Stück Deiner Verwaltung!! :oops:

Ich finde den Weg über den Personalrat gut. Auch Fachanwält*in ist gangbar, weiß ich aber nicht, ob du da jemanden an der Hand hast. Ansonsten ist Dir unsere Beirätin Doreen sicher behilflich (https://www.mja-sachsen.de/lak-info/lak-beirat/).

Gerne bekomst du auch von uns eine Unterstützung durch ein Schreiben oder ich kann auch mit den entsprechenden Stellen telefonieren.

Sag Bescheid!

LG Simone

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Alexander Beuschel
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Alexander Beuschel »

Simone hat geschrieben:
19. Mär 2020 10:31
Hey Raimo,
das ist wirklich ein starkes Stück Deiner Verwaltung!! :oops:

Ich finde den Weg über den Personalrat gut. Auch Fachanwält*in ist gangbar, weiß ich aber nicht, ob du da jemanden an der Hand hast. Ansonsten ist Dir unsere Beirätin Doreen sicher behilflich (https://www.mja-sachsen.de/lak-info/lak-beirat/).

Gerne bekomst du auch von uns eine Unterstützung durch ein Schreiben oder ich kann auch mit den entsprechenden Stellen telefonieren.

Sag Bescheid!

LG Simone
Ich denke tatsächlich, dass uns alle solche Aufträge erwarten könnten. Sozialarbeitende für Kommunikationsteams. Sozialarbeitende als pädagogische Unterstützung von Ordnungsstreifen. Oder ähnliches.

Ich will den Teufel keineswegs an die Wand malen aber es ist "Ausnahmezustand". Ich denke es macht Sinn, sich mit diesen Gedankenkonstrukten auseinanderzusetzen. Bevor die konkreten Anfragen kommen.

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

So, Leute.
"Die Kuh ist vom Eis." Ich bin raus aus dem Mitarbeiterpool, der mit der Polizei Kontrollgänge durchführt und durchführen wird.
Ich habe das heute an fünf Stellen, fünf verschiedenen Leuten erklären müssen, warum es nicht gehen kann. Und dann auch noch in einer A4-Seite verschriftlicht und per Mail verschickt.
Hat was gebracht. Ist nun verstanden worden. (Zumindest hoffe ich das.)

Jetzt kann ich mich darauf konzentrieren,
- was genau man jetzt eigentlich macht und anbieten kann
- und zwar in einer Situation, in der alle Schulen, Kultur-, Sport- und Jugendeinrichtungen sowie Spielplätze geschlossen sind und im Grunde niemand miteinander in Kontakt sein soll.
- Wie kann Soziale Arbeit bzw. Jugendarbeit jetzt aussehen, wenn alles Soziale gar nicht stattfinden soll?
- Was brauchen die jungen Menschen in dieser Situation?
- Welche Angebote wären jetzt notwendig und vor allem auch praktisch umsetzbar?
- Auch vor dem Hintergrund einer eventuellen generellen Ausgangsperre, die vielleicht noch kommt. (Ich meine, derzeit scheint ja alles möglich.)
Hat irgendwer bereits Antworten darauf?

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Gute Frage, der ich mich anschließen möchte:
Raimo hat geschrieben:
19. Mär 2020 14:13
Hat irgendwer bereits Antworten darauf?
In den Handlungsempfehlungen (oben) finde ich dazu nur: "Wichtig ist nun, anderweitig eine verlässliche Erreichbarkeit herzustellen."

BG w
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Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Guten Morgen, die Rückmeldungen, die wir aus Sachsen und dem ganzen Bundesgebiet bekommen deuten darauf hin, dass die lokalen Umstände enorm wichtig sind für eine Entscheidung über die Vorgehensweise, generelle Empfehlungen somit recht schwierig sind. Bitte nutzt daher hier das Thema, um eure Vorgehensweisen darzulegen. Andere Projekte können dann auf ihre lokale Situation hin reflektieren, welche Umsetzung geeignet ist und welche Maßnahme vielleicht auch nicht passt.

Ich möchte hier mal einige Aspekte beschreiben, ohne dass ich damit in der Lage wäre, Empfehlungen zu geben. Grundsätzlich arbeiten wir bedürfnis- und lebensweltorientiert, dies sollte auch weiterhin ein gewichtiges Merkmal bezüglich der Ausrichtung und Vorhaltung der Angebote sein:
  • Adressat*innen: Ich möchte hier einmal ganz grob die Unterscheidung aufmachen zwischen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit bezüglich der Ausrichtung der Projekte. Denke ich an MJA auf der Ebene der Jugendarbeit stellen sich mir folgende Fragen: Habe ich die Möglichkeit, meine Adressat*innen auf digitalen Wegen zu erreichen und kann ich ihnen darüber bei etwaigen Anliegen behilflich sein? Kann es Gruppenangebote über Streams geben (bspw. Onlinespiele, Gruppen- oder Einzelchats z.B. über https://www.mumble.com/ oder https://jitsi.hamburg.freifunk.net/ oder ähnlichem)? Scarlett hatte hier besonders über Onlinespiele nachgedacht und wollte hier auch mitlesen, vielleicht kann sie uns ja von ihren Erfahrungen berichten. Diese Art von Angeboten können einerseits Beziehungsarbeit und Einblicke in die Lebenswelten ermöglichen und werden gleichzeitig Optionen bieten für Aufklärungsarbeit und das Sprechen über Sorgen oder Ängste bezüglich der Corona-Pandemie. Gleichzeitig könnten sich aber auch hier Notwendigkeiten zeigen für aufsuchende Arbeit, weil zum Beispiel uns bekannte Adressat*innen weiterhin draußen abhängen, sorglos die schulfreie Zeit genießen und gar nicht verstehen, was sie damit anrichten können. Ich denke hier bietet sich der MJA die Chance durch Kompetenzen in jugendgerechten Ansprachen gute Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten bis es zu Ausgangssperren kommen wird. Dies sollte möglich sein unter Beachtung der Empfehlungen des körperlichen Abstandes.
    Denke ich an MJA auf der Ebene der Jugendsozialarbeit kommen mir wohnungslose, arme oder suchtkranke junge Menschen in den Sinn. Hier stellen sich meiner Meinung nach tatsächlich andere Aufgaben und Herausforderungen: Digitale Wege könnten nicht möglich sein (kein Telefon oder Internetzugang vorhanden). Viele Tagestreffs und Nahrungsmittelnotangebote (Tafeln, Suppenküchen u.ä.) schließen derzeit. Notunterkünfte werden teils schon unter Quarantäne gestellt. Die medizinische Versorgung ist so schon schwierig (auch bei Vorhandensein einer Krankenversicherung aufgrund von Schmutz, Geruch usw.), sie wird jetzt noch viel komplizierter werden. Hier bedarf es jetzt Lobbyarbeit, um diese Menschen überhaupt sichtbar zu machen und genauso unbürokratische und humanitäre Lösungen einzufordern. Meine Wahrnehmung derzeit ist, dass diese Gruppen einfach vergessen werden. Das niedrigschwellige Angebot von Nahrungsmitteln und Getränken sollte aufrecht erhalten werden. Ist eine Ausgabe aus einem Fenster möglich? Können Carepakete gepackt und im Stadtgebiet verteilt werden ohne, dass dabei größere Gruppen entstehen? Werden Schlafsäcke, Zelte usw. benötigt? Könnten Hotels geöffnet werden, um Menschen unterzubringen? Viele Fragen, die lokal in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur*inen beantwortet werden müssen.
  • Mitarbeiter*innen: Auch Fachkräfte können natürlich einer Risikogruppe angehören. Vorerkrankung, Alter, der zurückliegende Aufenthalt in einem Risikogebiet können beispielhafte Gründe sein, wieso das zu Hause bleiben dringend geraten ist. Auch hierdurch werden generelle Empfehlungen erschwert und es bleibt der guten Kommunikation im Team überlassen, Risikofaktoren abzuwägen und Entscheidungen zu treffen. Überlegenswert erscheinen mir denoch Regeln, die unötige Kontakte auch unter Kolleg*innen vermeiden können. Dienstberatungen können über Konferenztools geführt werden (bereits oben genannte, Skype oder Zoom), Dienstpläne können in größeren Teams die Arbeit am Arbeitsplatz helfen, dass sich tageweise abgewechselt wird usw.
  • Perspektive der Arbeitgeber*innen: Arbeitgeber*innen werden dem Schutz ihrer Mitarbeiter*innen eine große Bedeutung beimessen, was derzeit dazu führt, dass lieber resolut und umfassend reagiert wird (alle bleiben zu Hause). Teilweise wird dies über Dienstanweisungen geregelt, teilweise nur über mündliche Absprachen, die Vorgehen sind unterschiedlich. Das Vorgehen ist verständlich und trotzdem denke ich, kann es Fälle geben, in denen nachvollziehbare Gründe für die Aufrechterhaltung eines (Not-)Angebots gewichtiger sind und dementsprechend Gespräche mit den Vorgesetzten geführt werden sollten. Die Verantwortung über so eine Entscheidung bleibt am Ende natürlich bei diesen.
  • Perspektive der Jugendämter: Auch hier scheint es unterschiedliche Haltungen in den einzelnen Ämtern zu geben. Dies ist meiner Meinung auch zu dem jetzigen Zeitpunkt normal und wird sich nach und nach angleichen. Wichtig erscheint mir, das Vorgehen des Projekts (Veränderungen von Angeboten, Schließungen, Notstrukturen) mit den zuständigen Personen im Amt abzustimmen bzw. darüber zu informieren. Dies ist einerseits notwendig für den Überblick über noch funktionierende Angebote in der Jugendhilfe, andererseits wird dies nicht unerheblich sein, wenn es um die Frage der weiteren Finanzierung der Projekte geht. Hier wird es hoffentlich unbürokratische und verwaltungsgrenzenübergreifende Lösungen geben.
Zur Zusammenfassung sei noch einmal gesagt, dass ich hier Informationen gesammelt habe, die uns in den letzten Tagen erreichten und recht unterschiedliche Vorgehen und Aspekte beschrieben haben. Wichtig ist und bleibt vor Ort zu schauen, was angemessen und notwendig ist. Mir gefällt das Grundprinzip recht gut: "So wenig Kontakte wie möglich und das zu tun was Nötig". Weiterhin gilt, dass wir auch für kurzfristige Beratungen ansprechbar sind und vielleicht auch helfen können, ein paar Dinge zu sortieren und somit Entscheidungen zu erleichtern.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Noch ein Nachtrag: Sollte es zu Ausgangssperren kommen, wird es sinnvoll sein, eine Bestätigung des Arbeitgebers bei sich zu führen, welche die Notwendigkeit des Aufenthalts im öffentlichen Raum für die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen bescheinigt. Entsprechende Formulare könnten auch von der kommunalen Verwaltung bereitgestellt werden, es kann aber nicht schaden, diese Bestätigung schon einmal vorbereitet und unterschrieben zu haben. Der sonst vielleicht nicht so häufig genutzte Dienstausweis sollte ebenfalls immer dabei sein.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe bündelt Informationen in einer eigenen Rubrik:
https://www.jugendhilfeportal.de/fokus/coronavirus/

Lutz
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Lutz »

Der OBM in Leipzig hat soeben angewiesen, dass Straßensozialarbeiter unterstützen sollen mit Informationen, insbesondere an junge Menschen, zu Gefahren des Coronavirus und über mögliche und wichtige Schutzmaßnahmen. Als Ort ist die Sachsenbrücke benannt, wo sich die letzten Tage mehrere Jugendliche (siehe LVZ heute) aufgehalten haben und vermutet wird, dass sie sich auch am Wochenende aufhalten werden. Wir haben uns organisiert und werden von Kolleg*innen der Schulsozialarbeit unterstützt. Ab heute haben wir für Fr./Sa./So. je ein Team von 3 Kolleg*innen gebildet, die an mind. 3 Orten unterwegs sind. Der Einsatz erstreckt sich von 14:30 bis ca. 18 Uhr, je nach Situation vor Ort. Es geht um reine Präventionsansprache sich persönlich mit Distanz zu anderen zu verhalten und nach den bekannten Empfehlungen die Öffentlichkeit zu meiden und natürlich auf Schutzmaßnahmen hinzuweisen. Alles erfolgt unter Beachtung des Eigenschutzes. Auch gibt es Absprachen mit den Ordnungsbehörden, dass wir vor Ort keinen Kontakt aufnehmen und zu deren Mitarbeiter*innen Distanz wahren. Besondere Zeiten, besondere Maßnahmen. Nicht gemäß fachlichen Standards und nachhaltig, hoffentlich aber mit kleinen Wirkungen.
Bleibt gesund!

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Die LAG Baden-Württemberg hat nach ihren ersten Handlungsempfehlungen auch noch einmal ein differenzierteres Papier veröffentlicht, welches ich euch gerne zugänglich machen möchte: https://www.lag-mobil.de/social-distanc ... h-in-sich/

und hier als .pdf:
2020-03-20 Social Distancing - Social Work.pdf
(118.41 KiB) 732-mal heruntergeladen

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Ein paar kurze Infos und Gedanken aus dem gestrigen "Treffen" der Bildungsreferent*innen auf Landesebene zur aktuellen Situation:
  • Thematisiert wurde die (Förder-)Situation einzelner Projekte auf kommunaler Ebene und der derzeitige unklare Ausblick. Die Schwierigkeit Adressat*innen derzeit nicht zu erreichen in Verbindung mit Anforderungen Statistiken zu führen usw. führt zu Unsicherheit in unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Positiv diskutiert haben wir das proaktive Zugehen auf Geldgeber. Wie seid ihr derzeit in Kontakt? Was könnt ihr in der derzeitigen Lage tun und wie lassen sich diese Tätigkeiten evtl. anders als gewohnt auch weiterhin für Geldgeber nachvollziehbar darstellen? Heißt: Ins handeln kommen, statt zu warten was passiert und gefordert wird. Hier passieren in unseren Arbeitsfeldern ja auch schon gute Dinge, die auch weiterhin gern hier geteilt werden können ;)
  • diesbezüglich war ich auch mit Alex im Gespräch und wir fragten uns, ob es sinnvoll sein kann, wenn wir als LAK gegenüber einzelnen Jugendämtern diese Argumentation vertreten. Das ist sicherlich stark abhängig von der kommunalen Situation, hier benötigen Simone und ich konkrete "Aufträge" und Einschätzungen von euch
  • in den nächsten Tagen wird es außerdem auf den Seiten vom Kinderschutzbund (https://www.kinderschutzbund-sachsen.de/) und der AGJF (https://agjf-sachsen.de/corona-virus.html) neue Veröffentlichungen geben. Der Kinderschutzbund beschäftigt sich derzeit stark mit dem Thema Kindeswohl und Corona und sammelt Ideen und Empfehlungen zu potentiellen Kindeswohlgefährdungen. Die AGJF wird hingegen Ideen zum Digitalen Jugendhaus veröffentlichen, hier können denke ich auch sehr gut Erfahrungen und Konzepte aus eurer Arbeit mit einfließen. Es lohnt sich also, die Seiten in den nächsten Tagen immer mal zu checken.
Und @Raimo: Toller Informationsartikel! :)

https://www.saechsische.de/plus/streetw ... 85197.html

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Georg hat geschrieben:
24. Mär 2020 11:46
Und @Raimo: Toller Informationsartikel! :)

https://www.saechsische.de/plus/streetw ... 85197.html
Falls irgendjemand in diesem Forum keinen SäZ-Zugang haben sollte. Unwahrscheinlich, ich weiß…
Streetworker hält Kontakt mit Jugendlichen

Die Aufgaben des mobilen Jugendarbeiters Raimo Siegert in der Corona-Zeit heißen: organisieren, sensibilisieren, aufklären.

Von
Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Schulen und Jugendklubs sind geschlossen. Menschen sollen Abstand voneinander halten und am besten zu Hause bleiben. Für viele Jugendliche ist diese Situation, hervorgerufen durch das Corona-Virus, schwer auszuhalten. Bei dem schönen Wetter wollen sie dennoch nach draußen, treffen sich auf den Spielplätzen. Wie kann die mobile Jugendarbeit Großenhain-Priestewitz in Person von Raimo Siegert da regulierend und auch helfend eingreifen? "Meine Arbeit lässt sich derzeit mit drei Worten beschreiben: organisieren, sensibilisieren und aufklären", sagt Raimo Siegert.

Zunächst heißt es für ihn, wie für viele andere auch, Familien- und Büroarbeit zu organisieren. Das bedeutet, einen Überblick zu verschaffen, wer braucht denn Hilfe? Büroarbeiten, die schon lange liegen geblieben sind, werden jetzt erledigt, so Tätigkeitsberichte geschrieben, Fördermittel für die Sommerferien beantragt. "Denn es gibt ja auch eine Zeit nach dieser Krise."

Beratungsangebote durch Raimo Siegert beschränken sich derzeit lediglich auf Online- oder telefonische Kontakte, die immer und weiterhin zur Verfügung stehen. Daneben steht der Streetworker mit dem Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit e. V., also allen Mobilen Jugendarbeitern und Streetworkern in Sachsen und weiteren Partnern der Jugendarbeit, in Verbindung.

Gemeinsam wird überlegt, was genau man eigentlich jetzt machen und anbieten kann, und zwar in einer Situation, in der alle Schulen, Kultur- Sport- und Jugendeinrichtungen sowie Spielplätze geschlossen sind, und im Grunde niemand miteinander in Kontakt sein soll. Wie kann Soziale Arbeit bzw. Jugendarbeit jetzt aussehen? Was brauchen die jungen Menschen in dieser Situation? Welche Angebote wären jetzt notwendig und auch praktisch umsetzbar?

"Noch gibt es keine fertigen Konzepte, da diese Situation ganz neu ist für alle", sagt Raimo Siegert. Derzeit sei es außerdem ganz wichtig, jungen Leuten verständlich zu machen, warum dies eine Ausnahmesituation ist, warum Solidarität wichtig ist und zwischen jugendlichem Drang und Verordnungen zu vermitteln. Raimo Siegert macht aber keine Kontrollen, wie es der polizeiliche Vollzugsdienst unternehmen wird. Er will Spielplätze und Jugendclubs besuchen, um Hinweise geben zu können.
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Danke Willie, ich konnte den Artikel tatsähclich nicht lesen...
Und dabei lohnt der sich.... Danke Raimo :-)!

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

willie hat geschrieben:
24. Mär 2020 22:05
Falls irgendjemand in diesem Forum keinen SäZ-Zugang haben sollte. Unwahrscheinlich, ich weiß…
Sorry, ich war davon ausgegangen, dass der Artikel von der Paywall befreit wurde, da ich keinen Zugang habe und ihn lesen konnt :)

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Crazy. Falls du herausfindest, welches AddOn dir das ermöglicht, wäre eine Info nett. (Rein theoretisch könnte auch dein Browser einfrieren, während die Seite die Paywall lädt, aber das halte ich für unwahrscheinlich.)

BG w
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Off Topic: Tatsächlich verrückt. Es ist das Addon des Programms Malewarebytes (Malewarebytes Browser Guard). Aktiv komme ich hinter die Paywall, deaktiviert funktioniert alles normal. 8-)

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Danke fürs Testen. :) Bei Gelegenheit könnte im Forum auch eine Technikecke eingerichtet werden…
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Die Aktion Mensch stellt 20 Mio. Euro zur Soforthilfe bereit in den Problemfeldern "Assistenz und Begleitung" sowie "Lebensmittelversorgung".

Insbesondere im Feld der Lebensmittelversorgung und dem erklärten Ziel Freiluft-Stationen zu entwickeln und zu organisieren dürften massig Wissen und Kompetenzen in den Arbeitsfeldern vorhanden sein.

Voraussetzung für eine Förderung: freie Trägerschaft, Gemeinnützigkeit und Sitz in Deutschland

Förderfähig: Personal-, Honorar- und Sachkosten (insbesondere Lebensmittel)

Fördersumme: max. 50.000 €, Zuschusshöhe max. 95%

https://www.aktion-mensch.de/foerderung ... hilfe.html

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Georg hat geschrieben:
24. Mär 2020 11:46

in den nächsten Tagen wird es außerdem auf den Seiten [...] und der AGJF (https://agjf-sachsen.de/corona-virus.html) neue Veröffentlichungen geben. [...] Die AGJF wird hingegen Ideen zum Digitalen Jugendhaus veröffentlichen, hier können denke ich auch sehr gut Erfahrungen und Konzepte aus eurer Arbeit mit einfließen. Es lohnt sich also, die Seiten in den nächsten Tagen immer mal zu checken.
https://www.agjf-sachsen.de/das-digital ... dhaus.html

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Ein kleiner Blick über den Tellerrand, genauer gesagt nach Finnland:

Tipps und Ideen für Online-Jugendarbeit von Verke:
https://www.digitalyouthwork.eu/tips-fo ... re-closed/

Allerdings - zumindest sehe ich das nicht - ohne Aspekte zu Datenschutz & Co, was auf jeden Fall weiterhin zu diskutieren sein wird.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Einige Infos zum Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG), dem sogenannten Sozialschutzpaket:
Die Gesetzesnorm gibt es hier: https://www.buzer.de/Sozialdienstleiste ... _SodEG.htm
Eine kurze Zusammenfassung und Bewertung gibt es unter https://paritaet-bw.de/leistungen-servi ... richtungen
Zentrale Aussagen sind:
  • "Gesichert werden diejenigen Einrichtungen, die auf Basis einer Leistungsvereinbarung, eines Auftrags oder einer Zuwendung tätig sind, aber wegen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise nicht oder nicht in vollem Umfang weiter tätig sein können."
    Heißt für die einzelnen Projekte, dass Leistungen zunächst einmal normal weiter zu zahlen sind, sofern ihr die Leistungen erbringen könnt. Da eure Arbeit sich zur Zeit unter Umständen stark verändert, im Vergleich zum sonst üblichen, ist anzuraten, eure Arbeitsweise gut zu dokumentieren und dies dem öffentlichen Träger zu kommunizieren, aber gern auch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit deutlich zu machen, was MJA gerade leistet. Erst, wenn eine Leistung aufgrund von Schließungen und anderen Maßnahmen nicht mehr erbracht werden kann, wird das vorliegende Gesetz interessant.
  • "Voraussetzung für die Finanzierung ist, dass der freie Träger bereit ist, seine Ressourcen zur Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen."
    Hier wird es also im Bedarfsfall Ausgleichsmaßnahmen geben, die von der bisher erbrachten Leistung abweichen können.
  • "Der Zuschuss zur Sicherstellung der sozialen Infrastruktur ist auf 75% der bisherigen durchschnittlichen Einnahmen von dem jeweiligen Leistungsträger begrenzt. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Kosten durch Kurzarbeit oder durch andere Einsparungen gesenkt werden können oder dass einzelne Bereiche auch vollständig normal weiter betrieben und finanziert werden können. Die Länder können den Höchstsatz anheben."
  • "Auf Landesebene muss nun mit den Ländern und Kommunalen Spitzenverbänden an der konkreten Umsetzung des Gesetzes gearbeitet werden. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass die teils relativ vagen Formulierungen nicht dazu missbraucht werden, die vorhandenen Strukturen der sozialen Daseinsvorsorge zu zerstören. Vielmehr formuliert die Begründung des Gesetzes sehr klar, dass die Leistungsträger einen Sicherstellungsauftrag für die sozialen Dienste und Einrichtungen haben.
    Bei aller Unkonkretheit einiger Formulierungen ist eines klar: Das Gesetz eröffnet den Leistungsträgern keinen Ermessensspielraum sondern spricht Verpflichtungen aus."
Der Paritätische Sachsen weißt in seiner Stellungnahme darauf hin, sich aufgrund der 75%-Finanzierung vorzubereiten und entsprechend unternehmerische Vorsorge zu treffen (bei allem Wissen um chronisch klamme Projekte): "Wir erleben dieser Tage sowohl in der Politik als auch der Verwaltung eine hohe Gesprächsbereitschaft und den Willen, die Auswirkungen der Corona-Epidemie sowie der damit verbundenen Maßnahmen abzupuffern. Ehrlicherweise muss aber gesagt werden, dass eine vollständige Finanzierung von derzeit nicht arbeitsfähigen Angebote nicht zu erreichen sein wird, wenn die Krise länger anhält. Die vom Bund benannte 75-Prozent-Finanzierung muss hier aber unbedingt als Untergrenze betrachtet werden. Das machen wir gegenüber den zuständigen Stellen deutlich und werden uns zudem für eine existenzsichernde Finanzierung stark machen."

Wichtigste Aufgabe in der Kommunikation mit den öffentlichen Trägern wird derzeit sein, die stattfindende Arbeit zu erklären, die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Kontakte und Beratungen darzulegen und der möglicherweise aufkommenden Vermutung entgegenzuwirken, dass Arbeitszeit einfach "abgesessen" wird.

Unsere Strategie ist jetzt einerseits einen Beitrag zu erarbeiten, wie MJA in Sachsen gerade arbeitet, hierfür sind wir in Gesprächen mit mehreren Projekten, um überblicksartig ein Bild zeichnen zu können. Andererseits werden wir uns bemühen auf Landesebene darauf hinzuwirken, dass diese Krise kommunal nicht genutzt wird, um langfristig Leistungen zu streichen und einzusparen. Wenn ihr hierfür ganz konkrete Anzeichen habt, kontaktiert uns bitte frühzeitig!

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Das uns und dem Arbeitsfeld der Mobilen Jugendarbeit sehr wohlgesonnene Mitglied im Bundestag, Kolja Fuchslocher (Die Linke), bittet um eine Einschätzung der Praxis, um ein Bild über die aktuelle Situation zu bekommen, was Arbeitsbedingungen und Situation(en) der Adressat*innen angeht. Wir versuchen das ja auch gerade von euch einzusammeln und würden dann unseren, sicherlich aber recht ausführlichen Beitrag, an Kolja weiterleiten. Wenn ihr also die Zeit haben solltet, die Fragen kurz und knapp zu beantworten, kann das für die politische Arbeit nur sinnvoll sein.

Die Corona-Pandemie wirkt sich massiv auf den Alltag und die Aufgaben-/Leistungsgebiete der Kinder- und Jugendhilfe aus. Sie hat den Alltag der Fachkräfte aber auch der Adressat*innen der Angebote und Leistungen massiv verändert. Ein Ende ist nicht greifbar. Uns erreichen täglich Berichte aus den unterschiedlichen Arbeitsgebieten der Kinder- und Jugendhilfe aus verschiedenen Ecken des Bundesgebiet. Gleichzeitig melden sich vermehrt Verbände und Träger zu Wort mit Forderungen an den politischen Raum. Die Perspektive der Beschäftigten wie auch der Adressat*innen kommt medial hingegen kaum vor. Wir sind weit davon entfernt, auch nur im Ansatz ein Bild über die aktuelle Situation zu haben. Ein aktuelles Bild der Situation ist aber Grundlage, um fundiert politisch arbeiten und versuchen zu können, die Sichtweise und Bedürfnisse der Kinder- und Jugendhilfe in den aktuellen Diskurs mit einfließen zu lassen.
Vor diesem Hintergrund möchten wir euch um eure Unterstützung bitten und uns kurz eure Erfahrungen und Eindrücke zu schildern. Wir möchten diese sammeln und auswerten und damit weiter politisch arbeiten. Denn wir haben große Sorge, dass die Kinder- und Jugendhilfe vergessen wird, auf ein ordnungspolitisches Krisenmanagement reduziert und perspektivisch mit neuen Sparauflagen weniger Ressourcen für ihre vielfältige und präventive Arbeit zur Verfügung haben wird. Dies würde langfristig massive Folgen haben insbesondere für die Familien, Kinder und Jugendliche, die die Infrastruktur und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe nutzen. Wir meinen, dass die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren Angeboten für die verschiedensten Lebenslagen von Familien in einer gesellschaftlichen Krise sowie deren Aufarbeitung unbedingt eine bedeutende Rolle einnehmen und entsprechend ausgestattet sein muss. Und wir meinen, dass den Beschäftigten entsprechende Wertschätzung zu Gute kommen muss!

Daher möchten wir von euch wissen und bitten um möglichst kurze Antworten:

0. Tätigkeitsgebiet (z.B. ASD, Offene Arbeit, Familienhilfe, ...):
1. Hat sich durch die Epidemie der Arbeitsalltag geändert?
2. Gibt es einen Notfallplan/Epidemieplan und wenn ja, was sind die groben Grundzüge und wird danach gearbeitet?
3. Wie wirkt sich die Epidemie auf die Arbeit mit den Adressat*innen aus?
4. Welche Auswirkungen hat die Epidemie auf die Fachkräfte
5. Wie wirkt sich die Epidemie auf den Träger aus?
6. Was wird gebraucht, um die Epidemie zu überstehen?
7. Welche (politischen) Forderungen ergeben sich daraus?
8. Gibt es sonst noch was, was wir eurer Meinung nach wissen bzw. beachten sollten?
Z1. Dürfen wir eure Angaben ggf. anonymisiert öffentlich verwenden?


Bitte versucht euch kurz zu fassen! Bei Rückfragen einfach melden.
Wir freuen uns über möglichst viele Rückmeldungen!
Antworten bitte an mich (kolja.fuchslocher@linksfraktion.de)

Vielen Dank!
Kolja Fuchslocher

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Also erst einmal muss ich sagen, das die Fragen, wie sie gestellt sind, so kaum zu beantworten sind. Denn auch wenn das von Berlin aus sicher anders gesehen wird ... aber die Epidemie ist es nicht, welche hier Auswirkungen hat oder den Arbeitsalltag verändert hat. Auswirkungen und Veränderungen gibt es lediglich und allein durch die Beschlüsse und eingeleiteten Maßnahmen von Bund, Land und Kommune.
Ja, ich weiß, das klingt erst einmal wie "herumtrollen", und es mag Gegenden auch in Deutschland geben, da ist das Thema Epidemie akut, aber wenn ich mir meinen Landkreis anschaue, kann ich keine andere Schlussfolgerung ziehen.
Das soll jetzt hier kein Aufruf sein über Sinn oder Unsinn der getroffenen Maßnahmen zu debattieren, denn dafür ist das hier nicht die richtige Plattform, aber wenn ich die Fragen beantworten soll, ist das die grundlegende Einschränkung, die ich machen muss. Ansonsten sind die Fragen Nr.: 1, 3, 4, 5 und 6 sinnlos.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Das ist ja bißchen die Huhn-Ei-Diskussion, nur mit klarerem Ergebnis: Ohne Ausbruch der Corona-Pandemie hätte es die von die angesprochenen Maßnahmen und Beschlüsse nicht gegeben. Insofern empfinde ich das schon etwas als Haarspalterei, könnte natürlich aber auch genauso detailliert in der Antwort formuliert werden.
Andererseits, ohne Beschlüsse aus dem Raum der Politik und Verwaltung hätte auch jeder Arbeitgeber früher oder später Maßnahmen getroffen zum Schutz der Adressat*innen und Arbeitnehmer*innen.

Es geht in der Befragung doch darum ein aktuelles Bild über die Situation der Jugendhilfe in Deutschland zu bekommen, um damit sinnvoll diskutieren und arbeiten zu können. Ich bin mir sicher, du kannst etwas dazu beitragen. Falls nicht ist das ja auch okay.

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Henne und Ei, ja? Haarspalterei?
Nun, wenn man die Beschlüsse und Maßnahmen der Entscheidungsträger wohlwollend betrachten möchte, dann kann man das so sehen. Aber um das ganz klar zu sagen: Ich sehe das nicht wohlwollend! Ich sehe vor allem die Konsequenzen, welche die Entscheidungen und Maßnahmen haben. Für den/ oder die Einzelne/n, egal ob jung oder im Berufsleben stehend, für die Gemeinschaft eines Ortes im ländlichen Raum und auch für das Zusammenleben und die Demokratie als solches. Im Grunde sehe ich derzeit NUR NOCH Konsequenzen und Möglichkeitsräume.
Und klar, ich hab verstanden, wozu die Maßnahmen gut sein sollen, Gesundheit, Schutz der Älteren, Vermeidung der Überlastung des Gesundheitssystems. Jedoch, so erfahre ich aus vielen, vielen Gesprächen und Austauschen in den letzten beiden Wochen, dass vor allem hart gezweifelt wird. Noch wird gezweifelt, noch wird nicht verzweifelt, aber die zu gehende Strecke bis dahin dürfte nicht allzu lang ein. Vor allem taucht immer wieder die Frage auf, ob der durch die Maßnahmen angerichtete Schaden eben für Einzelne, für das Gemeinwesen, für die Gesellschaft und für das demokratische Zusammenleben den tatsächlichen Nutzen nicht übersteigt? Die Menschen sind in Sorge, zum Teil hart in der Angst gefangen. Und es nicht die Angst vor dem Virus, sondern es ist die Angst, was die Maßnahmen wohl individuell für Konsequenzen haben und wie das Leben sein wird, wenn das hier mal vorüber ist.

Und klar wollen wir uns hier im Forum eher der Fachlichkeit widmen und den Fokus auf Auswirkungen, auf Mitarbeiter, auf Träger und die gesamte Struktur der Kinder- und Jugendhilfe richten. Und auch auf die Auswirkungen für junge Menschen. Aber daneben sollten wir das Bild auch ein klein wenig größer einstellen und "über den Tellerrand schauen". Denn das, was da gerade passiert, werden wir an und als Themen junger Menschen zu hören und zu spüren bekommen. Und wahrscheinlich nicht nur ein paar Wochen lang nach dem Ende dieser Krise (und eine Krise ist es definitiv, so oder so), sondern auf Jahre hinaus.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Entschuldige, wenn ich mich da unklar ausgedrückt haben sollte, mir ging es mit meinem Beitrag um folgendes: Kolja Fuchslocher bittet darum, ihm Informationen zuzuarbeiten, wie die derzeitige Situation die Praxis der Jugendhilfe verändert, welche Probleme Fachkräfte sehen, welche Konsequenzen es für Adressat*innen hat usw. In der Bundespolitik werden logischerweise schon jetzt politische Forderungen aufgemacht, ohne, dass jemand weiß wie genau die Situation eben in Großenhain, Reichenbach oder Leipzig ist. Dieses Anliegen, aus einer vernünftigen Grundlage heraus zu diskutieren und über Maßnahmen zu entscheiden unterstütze ich und teilte es daher hier.

Natürlich sind Maßnahmen, Grundrechtseingriffe und Auswirkungen für das demokratische System zu diskutieren, genauso wie es Lösungen braucht, um Verschwörungstheorien und ignoranten Egoist*innen zu begegnen, nur mal als Beispiel.
Dies hat aber wenig mit der hier eingestellten Bitte um aktuelle Informationen bezüglich des Jugendhilfesystems zu tun.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

In den letzten Tagen haben wir mit vielen Kolleg*innen & Projekten telefoniert und uns über die derzeitige Lage ausgetauscht. Hieraus ist ein ausführlicher Bericht entstanden, der einen Überblick geben soll über die MJA in Sachsen in der aktuellen Situation: https://www.mja-sachsen.de/?p=4832
Wir arbeiten darüber hinaus derzeit noch an einer Stellungnahme, die sich dann an Politik und Verwaltungen richtet und mit welcher deutlich gemacht werden soll, das MJA auch im Moment funktioniert, ganz wesentliche Funktionen übernimmt, dies auch unter teils größten Arbeitsbelastungen passiert. Zusätzlich benötigt es jetzt aber verlässliche Aussagen auf Ebene der öffentlichen Träger, dass die Finanzierungssicherheit der Projekte gewährleistet wird, auch diese Forderung soll in dem Papier aufgemacht werden.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Anbei noch der Ausführungshinweis zum Fördervolzug des Sächsischen Finanzministeriums
Dateianhänge
2020-03-26_TB8_Anlage_4_SMF-Anwendungshinweise-Foerdervollzug-1.pdf
(622.11 KiB) 672-mal heruntergeladen

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Zur Information und zur Diskussion stelle ich euch einen neuen Beitrag aus Baden-Württemberg hier ein
Mobile Jugendarbeit in Zeiten von Corona.pdf
(147.64 KiB) 684-mal heruntergeladen
(https://www.lag-mobil.de/mobile-jugenda ... en-weiter/).

Die Kolleg*innen der LAG BaWü gehen insbesondere auf Auswirkungen der Corona-Krise und der damit in Zusammenhang getroffenen Maßnahmen auf junge Menschen ein. Desweiteren stellen sie detailliert dar was MJA zur Zeit in Baden-Württemberg leistet und betonen die Gültigkeit der Fachstandards auch in Krisenzeiten. Hintergrund sind hier unter anderem einige Versuche Fachkräfte zum gemeinsamen Streife laufen mit Polizei- und Ordnungsbehörden zu verpflichten und ihnen Aufgaben zu übertragen wie die Überprüfung des Gesundheitszustands der jungen Menschen.

Interessant ist weiterhin abschließend der als Diskussionsgrundlage gut geeignete Standpunkt zur Datensicherheit, Datenschutz und zur Implementierung von digitalen Tools in die Arbeit.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Die Kolleg*innen des Mobilen Jugendarbeit e.V. wenden sich mit einem Informationspapier an Ordnungsamt und Polizei, um für einen sensiblen Umgang mit Menschen im öffentlichen Raum zu werben, welche aufgrund ihrer Lebenssituation nicht einfach zu Hause bleiben können:
https://www.kuebelonline.de/neuigkeiten/Paper.html


Info-Paper für Ordnungsamt und Polizei
Zum sensiblen Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche sich trotz Ausgangssperre im öffentlichen Raum aufhalten.

Im Folgenden möchten wir Bezug nehmen auf die aktuellen Ausgangsbeschränkungen in Sachsen (Allgemeinverfügung zum Vollzug des Infektionsschutzgesetzes, Maßnahmen anlässlich der Corona-Pandemie vom 22. März 2020, Az. 15-5422/10).

Das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund ist zur Zeit untersagt, um gemeinsam die Ausbreitung von COVID -19 zu verlangsamen. Diese Situation ist für alle eine Herausforderung. Wir möchten hiermit jedoch dafür sensibilisieren, dass es für einige soziale Gruppen sehr schwierig ist, "zu Hause" zu bleiben. Für jene Menschen bedeutet öffentlicher Raum: Schutz, Zuflucht, Ausgleich und Wohnraum.

Prekäre Familien- und Lebensverhältnisse sind oftmals von knapper Wohnfläche und damit einhergehend wenig Privatsphäre geprägt. Würde nicht die Möglichkeit bestehen, sich Raum außerhalb der eigenen vier Wände zu schaffen und sich somit gegenseitig Platz zu geben, würden sehr viel mehr Konflikte eskalieren und zu psychischen und physischen Gewaltanwendungen führen. Betroffen von dieser Gewalt sind in der Regel Kinder, Jugendliche und Frauen.

Hier kann das „sich aus der Situation entziehen“ die Zuflucht in den öffentlichen Raum bedeuten. Diese Art der Konfliktlösung wird jedoch durch die Ausgangsbeschränkung erschwert. So kann es passieren, dass junge Menschen auf Grund von ordnungspolitischen Maßnahmen dorthin zurückgeschickt werden, wo sie Gewalt erfahren.

Von vielen Fachstellen wird zudem davor gewarnt, dass häusliche Gewalt, Depressionen oder Suizide(-versuche) in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen zunehmen werden.

Gleiches gilt für junge Menschen aus Gemeinschaftsunterkünften, die bereits durch einschlägige traumatische Ereignisse vorbelastet sind und mit den strukturellen und zwischenmenschlichen Problemlagen konfrontiert sind.

Die dortigen Lebensverhältnisse, geprägt von beengten Platz, minimaler Ausstattung sowie kulturell und religiös motivierte Gewalt und Konflikte machen einen dauerhaften Aufenthalt zu einer Belastungsprobe, die unmöglich auszuhalten ist.

Verheerend kommt noch hinzu, dass die Beratungsstellen und sozialen Angebote, die für einige der jungen Menschen zentrale Anlaufstellen sind und in Notsituationen unterstützen, derzeit weitestgehend für den persönlichen Besuch geschlossen sind.

Auch für Menschen ohne Obdach, die oft in festen Gruppen leben, bedeuten Ausgangssperren und der unerwünschte Aufenthalt im öffentlichen Raum zusätzliche negative Folgen für ihre Lebensverhältnisse. Der ohnehin eingeschränkte Zugang zu Nahrung, Hygiene und Gesundheit spitzt sich auf Grund der gegenwärtige Lage nochmals zu. Zudem wird dieser Teil der Menschen infolge der Maßnahmen sozial isoliert.

Es sollte daher außer Frage stehen, dass die Menschen, die ohnehin bereits in prekären Lebensverhältnisse leben, nicht noch zusätzlich mit Bußgeldern ordnungspolitisch belangt werden. Viel mehr sollten die komplexen Lebensrealitäten und daran angepasste Konfliktlösungsversuche mitgedacht und bei der Durchführung ordnungspolitischer Maßnahmen berücksichtigt werden.

Wir möchten Sie bitten, bei Kontrollen oder im Kontakt mit Personen der oben genannten Zielgruppen sensibel vorzugehen und auf Angebote zu verweisen, die versuchen, in dieser Krise Unterstützung zu leisten.


Adressen von Hilfseinrichtungen:

Der Kinderschutzbund Leipzig e.V.: 116111 (Nummer gegen Kummer) oder 0800 111 0 333
Evangelische Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür e.V.: 24h Krisentelefon 0800/111 0 111
Frauen- und Kinderschutzhaus Leipzig: 24h Krisentelefon (0341)23 24 277
Mosaik Leipzig E.V. Psychosoziales Zentrum: Tel. 0176 / 57899131
RAA Sachsen, Opferberatung Support Leipzig: Mo-Fr 09:00 Uhr- 18:00 Uhr 0341 / 2254 957 oder 0178 / 51 62 937
Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V.: siehe Website

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Hallöchen und Danke für den Text.

Ich würde ganz schnell – vor einer Veröffentlichung, aber dazu ist es wohl zu spät – anmerken wollen, dass sich das Papier gegen eine nicht existierende (und schon aus formalen Gründen stark kritisierte) Allgemeinverfügung des Freistaates wendet. Seit mehr als einer Woche haben wir eine "Sächsische Corona-Schutz-Verordnung". Ich hänge sie hier an.
Saechsische-Corona-Schutz-Verordnung.pdf
(45.65 KiB) 701-mal heruntergeladen
Inhaltlich würde ich nach Überfliegen und in Eile anmerken, dass ich die Ordnungsbehörden schon relativ sensibel erlebe und dass sie wo möglich auf die Hilfeangebote verweisen. Das Ende könnte anders formuliert werden. Die Vorwürfe bei "junge Menschen aus Gemeinschaftsunterkünften" würde ich unbedingt konkretisieren. Ich lese hier zum Beispiel Einrichtungen für umA oder andere WG mit.

Beste Grüße, willie
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Liebe Kolleg*innen,
wie ihr per Mail ja schon erfahren habt, haben wir eine Stellungnahme zur aktuellen An - und Herausforderungen im Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit/Streetwork verfasst. Seit Montag auch online abrufbar: Stellungnahme MJA in der Corona - Pandemie

Diese Stellungnahme ging per Post an die Landräte, zuständigen Bürgermeister sowie zuständigen Verantwortlichen in den Jugendämtern. Per Mail haben die Jugendhilfepolitischen Sprecher*innen , das Sozialministerium sowie das Landesjugendamt diese Stellungnahme erhalten.
Rückmeldungen kamen schnell aus der Politik:
  • Kathleen Kuhfuss (Bündnis90/Die Grünen): Hallo Simone,ich bin sehr froh, dass ihr euch auch weiter der Verantwortung für die Menschen stellt, die euch dringend brauchen. Dafür vielen, vielen DANK! (Das geht natürlich an Euch!) Du stellst weiterhin dar, dass ihr Sorgen um die Finanzierung habt. An sich müssen Verträge ja gekündigt werden, weil ja auch Arbeit weiter macht. Problmatisch gestalltet sich die Betreuung der eigenen Kinder, dort werden wir nicht auf Dauer eine 100% Finanzierung in den Kommunen und Landkreisen hinbekommen. Vom Land aus ist klar, dass die Finanzierung weiter geht (überörtlich und Jugendpauschale). Das LJA macht den Kommunen jetzt nochmal deutlich, dass alles was zur Vermeidung von KWG notwendig ist dringend weiter geleistet werden muss. Wo siehst du genau den Regelungsbedarf?
  • Alexander Dierks (CDU): Liebe Frau Stüber,vielen Dank für Ihre Mail und die darin ausgedrückte Position, die ich umfänglich teile. Wir sind als Sprecher der Koalitionsfraktionen mit den zuständigen Ministerien, vor allem dem SMS in einem sehr konstruktiven Austausch, die bestehenden Projekte kurzfristig abzusichern und damit auch Sicherheit für Träger und Fachkräfte zu schaffen. Uns ist völlig bewusst, dass die Möglichkeiten, die Arbeit wie gewohnt und vereinbart zu realisieren, derzeit kaum gegeben ist und daraus keine größeren oder gar existenziellen Nachteile entstehen dürfen.
  • Anna Gorskih (Die Linke): Hallo Frau Stüber,
    vielen Dank für Ihr Schreiben und Ihre Stellungnahme. Ihren Forderungen kann ich mich nur anschließen. Bereits am 25.03. habe ich zusammen mit meiner Landtagskollegin einen offenen Brief an das Sächsische Ministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt verfasst, in dem wir eine finanzielle Absicherung und Unterstützung alles Träger und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe forderten (im Anhang). Leider habe ich bis heute noch keine Informationen vom Ministerium erhalten, wie es hier weitergehen soll, bis auf die von Ihnen bereits erwähnten Anwendungshinweise zum Fördervollzug. Ich hoffe wie Sie, dass es bald zu verbindlichen Zusicherungen und einer Absicherung der Träger und ihrer wichtigen Arbeit kommt.
    Wenn Sie möchten, können wir uns auch gern telefonisch über die gegenwärtige Situation austauschen. Mich würde Ihre Einschätzung der Lage sowie auch dem, was bisher zur Unterstützung der Träger getan wird und wo noch Handlungsbedarf besteht, sehr interessieren
    . Offener Brief an Petra Köpping
Der Tenor ist überall gleich: wohlwollend und wertschätzend.

Trotzdem hören wir von Kolleg*innen die Befürchtung, dass zeitnah oder spätestens im Nachgang der Pandemie die Fördergelder ausbleiben.

Habt ihr derartige Befürchtungen? Habt ihr Quellen dafür, wo diese Befürchtungen herkommen? Gibt es belastbare Aussagen von Verantworlichen dahingehend? Bitte schreibt uns oder ruft uns an oder schreibt einen Brief. Wir wollen sammeln und gezielt an den jeweiligen Stellen nachstossen. Außerdem ist eien Anfrage an das Landesjugendamt geplant, die wir gerne auch weiter unterfüttern möchten!

Schöne Ostertage und bleibt gesund! :)

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Auf der Homepage der LAG BaWü ist ein Papier veröffentlicht worden, welches zur Reflexion einlädt und Gedanken aus der Praxis aufzeigt:
https://www.lag-mobil.de/gedanken-aus-d ... on-corona/ Die darin aufgeworfenen offenen Fragen bewegen euch in der Praxis größtenteils ebenso. Spannend finde ich nun, nach mehreren Wochen, inwiefern sich auch Antworten ergeben haben, bspw. zur Frage des Spannungsfelds zwischen ordnungspolitischem Auftrag und notwendiger Sensibilisierung? Tragt ihr diese Fragen noch mit euch herum und diskutiert dies im Team oder konntet ihr Lösungen entwickeln mit denen ihr zufrieden seid?

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Moin.

Gibt es vom LAK MJA e.V. ein Papier, was die derzeitige Situation von Jugendlichen bzw. jungen Menschen beschreibt?

Ich sehe hier die Verordnungen und sonstige Auflagen seitens der Politik. Und Kommentare dazu. Und ich sehe auch Stellungnahmen, was das für die Mobile Jugendarbeit als Arbeitsfeld und für die Träger bedeuten könnte.

Aber zur Situation der jungen Menschen selbst, finde ich kaum etwas. Bzw. nichts.
Widersprecht mir, wenn ich falsch liege, aber wenn der LAK MJA e.V. (auch) eine Lobbyorganisation für das Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit ist, und das Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit grundsätzlich anwaltschaftlich und parteiisch für die Interessen der jungen Menschen eintritt, dann müssten wir in der Richtung mehr tun als bislang. Mehr als zuletzt!
Und es sollte damit starten, die derzeitge Lebenssituation von jungen Menschen zu beschreiben. Und dem gegenüber ist zu stellen, was ihre Bedürfnisse sind, eigentlich und derzeit.

Ich habe das Gefühl und erlebe das auch so, dass junge Menschen gerade überall durchrutschen und nicht gesehen werden. Allerhöchsten als Störenfriede. Von jungen Menschen wird derzeit nur gesprochen, wenn sie sich doch mal irgendwo draußen in einer Gruppe getroffen haben und sie wurden vom Ordnungsdienst aufgespürt. Das steht dann auch so gleich nächsten Tag in der Zeitung. Die bösen Jugendlichen. Können sich nicht mal 6 oder 7 Wochen an geltende Regeln halten.
Sie sollen:
- Zu Hause bleiben
- die Schnauze halten oder zumindest nicht klagen
- Hausaufgaben machen
- ihren Eltern nicht so dolle aufn Keks gehen
- und ansonsten nicht im Weg rumstehen.
Junge Menschen sind in der Außenbetrachtung derzeit nur Leute, die das mit Corona und den Regeln noch nicht so gut verstanden haben. Und denen man das einfach noch mal besser und anders erklären muss, richtig?
Nein, ist natürlich nicht richtig!

Aber was ist denn mit den jungen Menschen selbst? Was wollen und was brauchen sie? Und wie kann man das gemeinsam mit ihnen umsetzen?

Ich finde - Virus hin oder her Corona oder Pandemie - die Aufgaben für die MJA sind die gleichen wie zuvor. Die Fachstandards und Arbeitsprinzipien gelten weiterhin. Und diese werden nicht dieser Krise untergeordnet oder irgendwie aufgeweicht.
Wo sind ie Stimmen für die jungen Leute? ich höre gar nichts.

Das ganze Theater und der Umgang mit jungen Menschen geht mir zunehmend auf den Zeiger. Und ich finde das auch falsch. Als Landesarbeitskreis sollten wir dazu etwas machen. Das möchte ich diskutieren.

(Sollte sich hier nicht dazu entschlossen werden können, dazu etwas zu machen, mach ich es notfalls auch allein.)

NancyM
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von NancyM »

Hallo in die Runde,
das ist mein erster Beitrag in diesem Forum - Danke, dass es diese Runde/das Forum gibt.
Ein Forum dieser Art ist neu für mich, bisher war/bin ich nicht der Social Media-Freak, aber jede Veränderung birgt Neues in sich ;)

Danke für Deinen Beitrag Raimo. Seid einigen Wochen trage ich den Gedanken mit mir herum, die Lage der Jugendlichen zu beschreiben und ja, ich hatte auch schon darüber nachgedacht. Vielleicht macht es ja Sinn, sich auf Standards zu einigen, damit man die Ergebnisse insgesamt mit anderen Regionen vergleichen kann bzw. nicht jeder das Fahrrad neu erfindet.

Die aktuelle Situation zu beschreiben, hat mehrere Vorteile. Zum einen beschreiben wir eine Entwicklung von jungen Menschen, die derzeit überhaupt keine Beachtung finden und würden ihnen damit eine Stimme geben. Gleichzeitig geben aber auch wir uns eine Stimme und zeichnen einen Blinden Fleck der Gesellschaft. Doch schon allein das Befragen, Interesse zeigen bewirkt beim Befragten die Chance sich zu reflektieren und das Gefühl, wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus könnten sich Handlungen ableiten, die wir so nicht erahnen können, die in Handlungsempfehlungen Richtung Entscheidungsträger münden könnten. Die Gedanken der jungen Menschen selbst, sind untereinander vergleichbar, so dass sie das Gefühl erhalten: Ich bin nicht allein.
Wahrscheinlich gibt es noch mehr Argumete, dies anzugehen.

Wenn noch andere den Impuls haben, die Lage der jungen Menschen zu beschreiben, dann lasst uns doch gemeinsam vorgehen.
Folgendes fällt mir spontan dazu ein, was aus meiner Sicht zu beachten wäre:
- geführtes Interview führen mit offenen Fragen --> auf die Fragen sollte man sich einigen
- wie will man die Ergebnisse präsentieren? (zeitnah auf Social Media? [anomysiert], Gesamtpacket an Entscheidungsträger als Broschüre?)
- wen will man befragen? (Zufall?, alle die mitmachen wollen?, Altersgruppe?, Ausbildungsstand?) --> oder schränkt man sich hier zu sehr ein?
- Zeitraum (wie oft will man befragen?, einmal oder in regelmäßigen Abständen, bis die Krise vorüber ist?)
- auch zu Corona-Zeiten sollte Datenschutz nicht außer Kraft gesetzt werden: So viele Daten wie notwendig, so wenig wie nötig, doch welche sollten es sein?

Es gibt sicherllich noch andere Methoden, als ein Interview zu führen. So gibt es unter https://www.medienprojekt-wuppertal.de/ die Möglichkeit "Corona-Dairys" zu erstellen.

Ich freue mich auf Eure Beiträge,

Sonnige Grüße aus LE, Nancy

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Ich versuche mal meine Gedanken zu sortieren und euch dabei teilhaben zu lassen:

1. Ich möchte den Impuls von Raimo unterstützen, eine Diskussion zu führen, wie Mobile Jugendarbeit weiter arbeiten kann und zwar als anwaltschaftliche Interessenvertretung junger Menschen. Gerade jetzt in einer Situation, in der sich sehr viele Interessengruppen zu Wort melden, es schwierig ist gehört zu werden und junge Menschen mit Entscheidungen konfrontiert werden, zu denen sie sich oft nicht mal äußern konnten (dies geht jedoch fast allen Gruppen zur Zeit so).

2. Ich sehe es nicht so, dass zur Situation junger Menschen nichts gesagt/ geschrieben wird. Im Gegenteil, es gibt zur Zeit eine Vielzahl von Stellungnahmen, Petitionen, (Online-)Demonstrationen, die sich auch mit Bedürfnissen und Interessen junger Menschen befassen, die teils von jungen Menschen selbst iniitiert wurden (bspw. #SchulboykottDE oder Petition Straßenkinder vor Corona und sexuellem Missbrauch schützen). In einer Zeit, in welcher die Hauptthemen gesellschaftlicher Diskussion sich auf ein einziges verengen, ist es aber ungleich schwerer mit Einzelinteressen Gehör zu finden. Nichtsdesto trotz gibt es Interviews mit Schüler*innen, Lobbyarbeit der großen Verbände (z.B. die Forderung nach erhöhtem ALG II-Satz) Umfragen die sich an Jugendliche richten (bspw. Umfrage der Unis Hildesheim und Frankfurt) und auch in beiden Veröffentlichungen des LAKs zur Corona-Pandemie finden sich konkrete Auswirkungen der Maßnahmen auf junge Menschen und Hinweise auf ihre Bedürfnisse.

3. Konkrete Beschreibungen zur Situation und den Bedürfnissen junger Menschen erreichen uns als Bildungsreferent*innen zur Zeit wenig. Zumindest keine, welche wir dann im Folgenden in politische Forderungen gießen könnten. Hierzu sind wir auf eure Rückmeldungen angewiesen, sammeln diese und könnten sie bei landesweiter Relevanz allein oder mit Kooperationspartner*innen nach außen tragen. Evtl. wäre hier eine Umfrage, wie von Nancy ins Spiel gebracht, hilfreich, um sich den "Bedürfnissen" überhaupt mal zu nähern.

4. Im Telefonat vorhin mit Raimo erschienen mir aber zwei Punkte einleuchtend uns wesentlich: Die Rechte junger Menschen gelten auch trotz Maßnahmen zum Infektionsschutz usw. weiterhin (Um nur drei für uns wesentliche zu nennen: Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.; Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.; Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.)! Außerdem gelten alle Aspekte zur Jugendbeteiligung weiterhin, d.h. jungen Menschen muss fortlaufen Möglichkeit zur Mitsprache und -entscheidung gegeben werden, auch in der jetzigen Situation.

5. Gerade diese beiden beschriebenen Punkte sollten Aufgabe Mobiler Jugendarbeit sein, egal ob auf kommunaler oder Landesebene, darauf hinzuweisen, Rechte einzufordern und dafür zu kämpfen, wenn sie nicht gewährt werden. Wie genau das passieren kann, sollte besprochen werden.
  • Einige Projekte und Mitarbeiter*innen von euch haben derzeit keinen bis wenig Kontakt zu jungen Menschen (aufgrund von Homeoffice, Kurzarbeit oder weil niemand im öffentlichen Raum anzutreffen ist). Wie soll das in den nächsten Wochen weiter gehen?
  • Wenn Gruppentreffen derzeit nicht möglich sind, wie kann dann eine Meinungsbildung überhaupt erfolgen, die ja auch Diskussion und Austausch und Zeit bedarf?
  • Welches Thema ist an welcher Stelle zu platzieren, so dass es auch Gehör findet?
  • Welche Kooperationen sind themenspezifisch denkbar, um gemeinsam eine lautere Stimme zu bekommen?
Ich wünsche mir sehr, dass wir diese und weitere Fragen diskutieren. Ob hier im Forum (wo es den Vorteil hat, dass sehr viele zu jeder Zeit mitlesen können), per Mail/Telefon oder in einzelnen Videokonferenzen der Regionalgruppen. Danke Raimo, für deinen Impuls, danke Nancy, für deine Ideen!

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Passend zum Thema Jugend sichtbar zu machen ist heute ein Beitrag in der Sächsischen Zeitung von Christian Kurzke erschienen:
https://www.saechsische.de/plus/corona- ... 98681.html

Wie wir durch Corona Kinder neu kennen lernen

Jugendpolitik darf auch in der Pandemie nicht zweitranging sein. Ein Beitrag von Erziehungswissenschaftler Christian Kurzke.


Was halten Sie davon: Wenn die herausforderndste Phase der Corona-Pandemie hinter uns liegt, dann erinnern wir Erwachsenen uns an unsere Erlebnisse. Und gerade vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen können Erwachsene viel besser über eine kind- und jugendgerechte Gesellschaft nachdenken und dementsprechend Entscheidungen treffen.

Vertrauen beruht auf Verlässlichkeit. Das betrifft jede Beziehung, also auch Familien, und jede Bildungs- oder Jugendarbeitssituation. Ein Vertrösten auf „gleich“, „nachher“, „warte noch kurz“ oder „später“ wird ein junger Mensch von den Eltern vielleicht einige wenige Male erdulden. Danach aber nicht mehr, er fordert Präsenz ein. Ähnlich, womöglich mit einer noch geringeren Toleranzgrenze, trifft dies auf den Schulalltag, in Heimen, in der Jugendarbeit und den Beratungsstellen zu.

Vertrauen und Verlässlichkeit bedeuten auch, Zeit haben zu müssen und zu können. Vertrauen und Verlässlichkeit sind Elemente unseres Miteinanders und stützen das, was gemeinhin als Soziales verstanden wird und eine gesellschaftliche Grundkomponente ist. Gerät diese durch eine Verhaltensauffälligkeit (z. B. laute Jugendliche), besondere Lebenslagen (z. B. Kinderarmut) oder gar eine Krise (z. B. Fachkräftemangel) in den Blick, erleben wir in der Folge das Miteinander als Herausforderung und erkennen, dass eine politische Steuerungsnotwendigkeit entstanden ist.

In den ersten Wochen der Corona-Pandemie haben unzählige Akteure in Politik und Verwaltung in einem beachtens- und dankenswerten Kraftakt sehr viel ermöglicht. Zwar stand zu Recht die Notwendigkeit im Fokus, mit der Wirtschaft eine weitere gesellschaftliche Komponente zu stärken. Ein Schutzschirm für Unternehmen und Arbeitnehmer war in aller Munde.
Jugendarbeit findet nicht nur in Jugendclubs statt

Doch zunächst schien es, dass die andere Komponente, das Soziale, erst in einem zweiten Schritt in den Blick genommen wurde. Nur so lassen sich dann die entschiedenen Stellungnahmen der Wohlfahrtsverbände und anderer Dachorganisationen der Jugendarbeit noch in der vierten und fünften Woche der einschneidenden und notwendigen politischen Corona-Entscheidungen verstehen. Und in Tarifverhandlungen waren Mitarbeitende des Sozial- und Erziehungsdienstes zunächst gar ausdrücklich ausgeschlossen.

Die Corona-Einschränkungen galten auch für junge Menschen. Auch Kinder und Jugendliche haben einen gleichwertigen Anteil daran, dass unser Gesundheitssystem bis jetzt nicht überlastet wurde. Denn auch sie haben auf ihren gewohnten Alltag verzichtet, auf das Spielen und Lernen an gewohnten Orten und in den üblichen Tagesabläufen, auf Begegnungen mit Verwandten und dem Freundeskreis, auf Hobbys, auf ausreichend Bewegung. Ältere haben sich nicht selten mit der Übernahme von Ehrenämtern konkret eingebracht.

Diese schlichte Tatsache zeigt, dass auch junge Menschen von Entscheidungen, Zuständen und Entwicklungen in unserem Land gleichermaßen betroffen sind. Demnach kann Kinder- und Jugendpolitik kein nachgeordnetes oder in Teilen freiwilliges Feld sein. Vor allem nicht, wenn die Bedingungen des Aufwachsens Grundlage für den weiteren Lebensverlauf sind und in der Folge das gesellschaftliche Miteinander aller prägen.

Während der zurückliegenden Wochen haben wir sehr aufeinander geachtet und versucht, alle im Blick zu haben und füreinander da zu sein. Wir Erwachsenen haben viel davon erlebt, was im Alltag junger Menschen und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen häufig die Perspektive ist. Wir haben nicht nur erlebt, was uns fehlt, sondern auch, was möglich ist. Machen wir doch genau damit weiter und stärken diesen Prozess.

Wir haben uns Sorgen gemacht. So sind in den letzten Wochen ad hoc zahlreiche Kampagnen und hilfreiche Tipps für den Kindesschutz entwickelt worden. Denn wir wissen, wie fragil dieser sein kann, auch ohne Corona. Daher müssen wir den Schutz von Kindern noch mehr stärken. Sofort war vielen Verantwortungstragenden klar, welche Schwierigkeiten für diejenigen jungen Menschen zusätzlich durch die Corona-Maßnahmen entstehen, die in ökonomisch schwierigen Lebenslagen nun den Alltag und das Lernen meistern sollten.

Also sollten wir nach Corona deutlich unsere Aufmerksamkeit auf die Minderung von Armut lenken, denn wir wissen um die Auswirkungen und die fehlenden Teilhabemöglichkeiten. Wir haben erfahren, wie notwendig unser Bildungssystem ist und wie hilfreich zugleich die Digitalisierung sein kann. Vor allem im Bereich der Digitalisierung sind junge Menschen den älteren nicht selten im Wissen voraus. Also müssen jetzt erst recht die Schwächen im Bildungssystem zügig gemindert und muss in der Digitalisierung vorangeschritten werden.

Wir haben bestätigt bekommen, dass Jugendarbeit und Jugendbildung nicht nur in Jugendclubs, Schulsozialarbeit oder anderen Formen der konkreten Begegnung wichtig ist, sondern das diese auch in digitalen Varianten umgesetzt und in essenziell schwierigen Lebenslagen auch begleitend möglich ist. Daher sollte in Zukunft der Erfolg von außerschulischer Bildung weniger in zählbaren anwesenden jungen Menschen im Jugendclub vor Ort gemessen werden, sondern vielmehr eine Angebotsvielfalt, auch und gerade im ländlichen Raum gestärkt werden. Wir konnten beobachten, mit welcher Skrupellosigkeit demokratiefeindliche Kräfte vor allem im digitalen Raum die Pandemie ausnutzen und wie stark eine Gesellschaft damit umgehen kann, wenn sie kompetent Medien- und Demokratiebildung erfahren hat. Wir erleben gerade, wie wichtig und verbindend Kultur nicht nur zu Hause, sondern auch in Form von vielfältiger kultureller Bildung, Konzerten, Kinos etc. ist.

Auch deshalb ist ein breiteres und für alle jungen Menschen zugängliches kulturelles Angebot durch mehr Förderung, mehr Soziokultur und mehr Digitalisierung nötig. Und wir haben erlebt, wie sehr wir die Möglichkeit vermissen und wie sehr wir Orte der Begegnungsmöglichkeiten sonst benötigen. Ebenso haben wir uns bei all den Gutachten und Empfehlungen für eine Rückkehr in die Normalität häufig gewundert, wer dort alles nicht gefragt wurde oder sich in die Prozesse nicht einbringen konnte.

Fehlende Einbindung und Mitwirkung ist auch eine Perspektive, die junge Menschen sehr oft erfahren. Nicht nur in unserem Gesundheitssystem ist das Wissen um fehlende Fachkräfte zur gelebten Realität geworden, auch auf die Kinder- und Jugendhilfe trifft dies schon lange zu. So, wie eine jede Person auf verlässliche private und soziale Netzwerke angewiesen ist, benötigen junge Menschen auskömmliche und verlässlich finanzierte Jugendarbeit und Bildungswege. Dazu gehören der notwendige Wertekanon, unterschiedliche Konzepte und Methoden sowie eine Trägervielfalt, frei von ständigen Finanzierungsdebatten oder sich hinauszögernden Fördermittelbescheiden.

In der Arbeit mit jungen Menschen wurde in der Corona-Pandemie sehr viel geleistet. Aufgrund dieser Erinnerung sollten wir nicht nur darüber sprechen, dass und wie die Wirtschaft wieder hochgefahren werden muss, sondern auch stets die Frage beantworten, ob unser tägliches Handeln kind- und jugendgerecht ist. Und so, wie wir derzeit eine wissenschaftsbasierte Politik erleben, haben wir auch ausreichend vorhandenes, wissenschaftlich fundiertes Wissen, um notwendige Prozesse und Entscheidungen auf den Weg zu bringen, die eine vertrauensvolle und verlässliche Begleitung junger Menschen ermöglichen. Einmal mehr haben wir sehr deutlich erfahren müssen, was und wer alles unser Miteinander trägt. Und wir wissen, was wir benötigen, um teilhaben zu können, anerkannt zu sein, um uns wohlzufühlen und glücklich zu sein.

Was ist vor diesem Hintergrund unser zukünftiges Verständnis von einer sozialen, wirkungsvollen und „rentablen“ Kinder- und Jugendpolitik? Es geht weniger darum, aus Fehlern zu lernen, sondern aus der Corona-Situation zu lernen und uns wieder neu auf die Arbeit mit jungen Menschen besinnen.

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Raimo
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Registriert: 9. Mär 2015 12:21

Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Hmmm.
Der Christian schreibt ja eher über Kinder- und Jugendarbeit, als über Kinder und Jugendliche. Darf er ja auch.

Wenn ich meinen Ansatz allerdings wieder nach vorn hole, finde ich den eher hier:
Wie viel Menschenwürde haben Kinder?

Zitat:
„ … Kinder und Jugendliche wurden in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht als Personen mit ebenbürtigen Rechten gesehen, sondern als potentielle Virusträger. Sie wurden in ihren Lebenswelten massiv eingeschränkt, nicht zum eigenen sondern zum Schutz Anderer. Die Betrachtung von Kindern nicht aus ihrer eigenen Perspektive sondern als „Mittel zum Zweck“ widerspricht ihrer persönlichen Würde. Sie werden nicht gefragt, was sie in dieser Situation benötigen und was sie vermissen, was ihnen gut tut und was die Gesellschaft für sie tun kann. In den politischen Beratergremien fehlen Experten für Kinder- und Jugendliche, so sind keine Kinder- und Jugendärzte und keine Pädagogen vertreten. Ein großer Teil der Bevölkerung wird somit überhaupt nicht berücksichtigt. …“

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