Mobile Jugendarbeit in Trebsen/Altenhain? (LVZ vom 06.01.2020)

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Georg
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Mobile Jugendarbeit in Trebsen/Altenhain? (LVZ vom 06.01.2020)

Beitrag von Georg »

In einer Diskussion um die (Wieder-)Eröffnung eines Jugendclubs in Altenhain/ Stadt Trebsen im Landkreis Leipzig wird vom Kinder- und Jugendring die Etablierung Mobiler Jugendarbeit ins Spiel gebracht: https://www.lvz.de/Region/Grimma/Trebse ... ner-Jugend (LVZ+)

Trebsen stellt Bedingungen an die Altenhainer Jugend

Einen Jugendclub wünschen sich Heranwachsende aus Altenhain. Vereine und Eltern unterstützen den Vorstoß. Die Stadt Trebsen zögert jedoch noch. Sie stellt wesentliche Bedingungen.

Einen Freizeittreffpunkt wünscht sich ein gutes Dutzend Jugendlicher aus Altenhain. Ins Auge gefasst haben sie dafür die alte Baracke auf dem Spielplatz. Bei den Stadtverantwortlichen stoßen sie auf offene Ohren. Allerdings setzen diese einige Rahmenbedingungen, um Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu vermeiden.

Früher war mal eine Verkaufsstelle drin, später die Post und dann ein Jugendclub – die Baracke hat Geschichte. „Irgendwann wusste aber niemand mehr richtig, wer dort ein- und ausging. Es kam zu Vandalismus, so dass die Einrichtung Ende der 1990er-Jahre geschlossen werden musste“, sagt Ortsvorsteherin Katrin Kamm. Mittlerweile habe ganz Trebsen keinen Jugendclub mehr.

Stadt fordert Konzept

Daniela Schützenberger, die beim Kinder- und Jugendring im Landkreis Leipzig ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, kam auf die Idee, das Haus wiederzubeleben. Damit stieß die 18-Jährige auf das Interesse anderer Heranwachsender ihres Heimatorts. Sie sprachen bei Bürgermeister Stefan Müller (CDU) vor, der das Anliegen mit dem Stadtrat erörterte. „Dort herrschte mehrheitlich die Meinung, die Jugendlichen sollten ihren Wunsch konzeptionell untermauern“, sagt er.

Trägerschaft als Bedingung

Im gut gefüllten Heimathaus befasste sich nunmehr der Altenhainer Ortschaftsrat mit der Angelegenheit. Das Resümee: Vereine und Eltern möchten den Aufbau eines Jugendclubs unterstützen. Doch es gibt auch Grenzen. Gerade bei der Frage nach einer Trägerschaft, die für den Stadtrat eine entscheidende ist, findet sich bislang niemand, der Verantwortung übernehmen will.

Raum als Interimslösung

Der Förderverein der Feuerwehr, der hinter dem Projekt steht, kann diese Aufgabe nicht nebenbei stemmen. Auch nicht der Heimatverein, der anbot, die Jugendlichen könnten seine Räumlichkeiten solange für Treffs nutzen, bis sie ihren eigenen Club haben.

Mobile Jugendarbeit fehlt

Aus Sicht des Kinder- und Jugendrings gäbe es auch andere Lösungen. „Am idealsten fänden wir, wenn es im Landkreis eine mobile Jugendarbeit gibt“, sagt dessen Geschäftsführer Andreas Rauhut. „Ein Team von zwei Leuten könnte die Jugendtreffs der Region fachlich begleiten und sich auch um lose Gruppen kümmern, die sich an Bushaltestellen treffen.

Vorstellbar wäre für ihn ebenso, dass die Kommune wie in anderen Orten das Gebäude stellt und die Jugendlichen es selber bespielen. „Voraussetzung dafür wäre die Jugendleitercard, die bei uns im Lehrgang erworben werden kann“, sagt Rauhut. Für Bürgermeister Müller nicht genug Sicherheit. Er will lieber einen festen Träger, der sich vor Ort um den Club kümmert.

Angst vor Überalterung

Auch Ortsvorsteherin Kamm plädiert für eine professionelle Anleitung von pädagogisch geschultem Personal. „Da darf man nicht auf den Euro schauen“, fordert sie. Ihr Einsatz für einen Club hat unter anderem demografische Hintergründe. „Wenn wir den jungen Leuten Angebote machen, bleiben sie bei uns im Dorf, und wir überaltern nicht.“

Fester Treffpunkt wichtig

Nicole Zepezauer, Mutter von zwei Teenagern und Befürworterin des Projekts, gibt zu bedenken, dass sich Kinder aus den Augen verlieren, wenn sie nach der Grundschule auf andere Bildungsstätten aufgeteilt werden. „Deshalb wäre ein Treffpunkt wichtig, von dem sie wissen, dass sie 18 Uhr immer jemanden vorfinden“, erklärt sie. „In so einem Club lernen sie soziale Kompetenzen. Man kann Dinge anbieten, ohne sie ständig nach Grimma oder Wurzen fahren zu müssen.“

Initiatorin bleibt am Ball

Pauline Schützenberger will die Gründung eines Clubs weiter vorantreiben. „Ich möchte einen Ort, an dem die Jugendlichen ihre Ideen frei umsetzen und den sie nach ihren Vorstellungen gestalten können. Einen Ort, an dem sie sich in Veranstaltungen einbringen können, die wiederum offen für Andere sind“, sagt sie. Am 21. Januar soll es eine größere Gesprächsrunde beim Bürgermeister geben. In der Zwischenzeit wird Bauamtsleiter Steffen Wahle prüfen, welchen Aufwand es bedeuten würde, die Altenhainer Baracke nutzbar zu machen.

Von Frank Pfeifer

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