Stollberg stellt die Weichen in der Jugendarbeit neu (Freie Presse, 08.01.2020)

Interessante Texte
Antworten
Georg
LAK-Geschäftsstelle
Beiträge: 120
Registriert: 16. Sep 2015 17:43

Stollberg stellt die Weichen in der Jugendarbeit neu (Freie Presse, 08.01.2020)

Beitrag von Georg »

Und noch ein Artikel zur Mobilen Jugendarbeit in Sachsen, diesmal aus Stollberg: https://www.freiepresse.de/erzgebirge/s ... el10697768

PS: Soll ich mal ein allgemeines Presse-Thema aufmachen, in dem solche Artikel gesammelt werden können?

Stollberg stellt die Weichen in der Jugendarbeit neu
Erschienen am 08.01.2020

Für Sie berichtet
Björn Josten

Mobil in den Ortsteilen und an jenen Orten, wo sich der Nachwuchs aufhält - dies ist ausgewiesenes Ziel. Doch das führt zu Einschränkungen an anderer Stelle.

Stollberg.
Die Große Kreisstadt stellt ihre Jugendarbeit neu auf. Mit Beginn des Jahres konzentriert sich die Arbeit auf den Pink Panther am Kulturbahnhof. Der Standort am Pionierpark wird als Treffpunkt verschwinden. Ausgebaut wird hingegen die sogenannte aufsuchende Arbeit beim Streetwork, die auch die Ortsteile bedienen soll. Neu in den Blick rückt der Schlachthof. Bestehen bleibt das Angebot des Vereins "groß & klein" im Begegnungszentrum "das dürer". Damit setzt Stollberg die Vorgaben aus dem Jugendhilfeplan um. "Wir wollen nicht mehr in den Treffs auf die Jugendlichen warten", erläutert Matthias Hüfner, Fachberater Jugendarbeit beim Erzgebirgskreis. "Zudem sollen die bestehenden Strukturen im Sozialraum verwoben werden." Die "Freie Presse" gibt einen Überblick.

Pink Panther am Pionierpark: Die Räume sind speziell bei jungen Erwachsenen als Treffpunkt beliebt. Stadt und Landkreis legen den Schwerpunkt der Jugendarbeit allerdings auf die U18-Klientel. Daher wird der Pink Panther am Pionierpark als offene Tür geschlossen. "Wir brauchen das Personal in der pädagogischen Arbeit", begründet Hüfner. Ganz aufgegeben werden die Räume allerdings nicht. "Wir planen, dort Projektangebote zu etablieren", sagt René Behrend vom Pink Panther. Mittwochs sei ein Trommelworkshop geplant, auch einer für Keramik sei denkbar. Ebenso könne das Kinder- und Jugendtheater Burattino dort proben. Eine Einladung sei bereits ausgesprochen. Das bestehende Ökoprojekt im Außengelände soll zudem städtisch aufgenommen und weitergeführt werden. "Die Besucher können natürlich auch in Selbstverantwortung Projekte vorschlagen", sagt Stollbergs Jugendkoordinator Andreas Kramer.

Pink Panther am Kulturbahnhof: In diesem Räumen wird der Verein seine Angebote konzentrieren, da sich dort die U18-Zielgruppe hauptsächlich trifft. Das geschieht beispielsweise in Form von Hausaufgabenunterstützung und offenen Angeboten nach der Schule. "Wir möchten zudem die sozial-emotionale Ebene, die wir in den Kitas mit dem Papilio-Projekt eingeführt haben, im Jugendclub fortführen und ins Gespräch kommen", erläutert Kramer die Zielsetzung. Ohnehin stellt dieser Bereich ein zentrales Anliegen der Stadt dar, das sich auch in der Schulsozialarbeit an Grundschulen widerspiegelt.

Streetwork: Die mobile Jugendarbeit wird künftig mehr Raum einnehmen als bisher. "Ich würde mir wünschen, dass unsere beiden Mitarbeiter dieses Aufgabenfeld untereinander aufteilen", sagt Behrend. Zurzeit ist noch eine Stelle vakant, die zum 1. Februar besetzt werden soll. Die Stadt erhofft sich von der mobilen Jugendarbeit mehrere Effekte. Neben Angeboten für die Ortsteile, können Streetworker auch dort tätig werden, wo es Probleme gibt. Zurzeit ist beispielsweise das Vandalismusproblem akut. "Wir können uns aber auch Angebote auf dem Hufelandspielplatz vorstellen. Darüber hinaus sei es eine Aufgabe der Streetworker, Jugendliche in die Einrichtungen zu ziehen oder Talente an Vereine zu vermitteln. Eingebunden werden wird in die Arbeit auch der Streetworker des Kreisjugendringes, Holger "Fritz" Junghans, der schwerpunktmäßig in Lugau tätig ist. Auch das Regionalteam des Kreisjugendringes spielt eine wichtige Rolle: beispielsweise mit Elternabenden und Vorträgen oder im Krisenmanagement.

Schlachthof: Die Stadt strebt an, das Haus mehr mit Leben zu füllen. Daher steht im Raum, ein bis zwei Mal im Monat dort Angebote für Jugendliche zu organisieren. Wie genau das realisiert werden kann, ist noch nicht klar. Bisher probt dort die Jugendtheatergruppe "Limited Edition". Auch der Kreisjugendring nutzt für sein Jugendbeteiligungsprojekt gerne die Räume des Schlachthofes. Ansonsten liegt der Veranstaltungsfokus eher auf einer berufstätigen Zielgruppe. Die Stadt sieht allerdings speziell für Jugendliche einiges Potenzial im aufwendig sanierten Haus.

Das unsichtbare Netzwerk der Jugendhilfe

Im Hintergrund geht es auch um Vernetzung. Bei entsprechenden Treffen kommen in der Jugendarbeit tätige Personen zusammen. Das sind beispielsweise die Schulsozialarbeiter, Vertreter offener Angebote und themenbezogen etwa Bürgerpolizisten. "Das große Ziel ist eine trägerübergreifende Kooperation", erklärt Matthias Hüfner, Fachberater Jugendarbeit. Das funktioniere bereits gut.

Stollberg nimmt dabei laut Hüfner eine Vorreiterrolle ein. Beispielsweise durch die Koordination der Ferienprogramme, aber auch mit den Regionalteams als Ansprechpartner. Zudem habe die Lebenshilfe ein Büro im Kulturbahnhof und diverse Angebote, wie ein Mobbingparcours oder " Raus aus der Brüllfalle" gebe es auch.

Die Grenzen zur Familienarbeit sind dabei fließend, sodass Hilfeangebote von Jugend- und Familienarbeit ineinandergreifen könnten.

Benutzeravatar
Simone
LAK-Geschäftsstelle
Beiträge: 245
Registriert: 24. Nov 2014 13:52

Re: Stollberg stellt die Weichen in der Jugendarbeit neu (Freie Presse, 08.01.2020)

Beitrag von Simone »

Darüber hinaus sei es eine Aufgabe der Streetworker, Jugendliche in die Einrichtungen zu ziehen oder Talente an Vereine zu vermitteln. Eingebunden werden wird in die Arbeit auch der Streetworker des Kreisjugendringes, Holger "Fritz" Junghans, der schwerpunktmäßig in Lugau tätig ist. Auch das Regionalteam des Kreisjugendringes spielt eine wichtige Rolle: beispielsweise mit Elternabenden und Vorträgen oder im Krisenmanagement.
Mir scheint hier sei eine Beratung des Amtes und derjenigen, die das ausführen sollen nicht unangebracht. Möglich, dass das auch nur in der Presse missverständlich wiedergegeben wird und zumindest sind die Kolleg*innen vom KJR ja mit benannt. Beim RG Chemnitz Treffen kannst du bei den Kolleg*innen ja nochmal nachhaken dazu, Georg.

Benutzeravatar
Raimo
Beiträge: 126
Registriert: 9. Mär 2015 12:21

Re: Stollberg stellt die Weichen in der Jugendarbeit neu (Freie Presse, 08.01.2020)

Beitrag von Raimo »

Ich stolpere eher über folgende Formulierung:
Georg hat geschrieben:
8. Jan 2020 14:59
Neben Angeboten für die Ortsteile, können Streetworker auch dort tätig werden, wo es Probleme gibt. Zurzeit ist beispielsweise das Vandalismusproblem akut.
Kann sein, dass die Presse das falsch verstanden oder fomuliert hat, kann aber auch sein, dass es genau so gesagt worden ist.
Diese Diskussion läuft bei uns auch. Fortgang ungewiss.
"Mobile Jugendarbeit sieht sich für Probleme zuständig, die junge Menschen haben, nicht für die, die sie machen." (Auch wenn das Wort 'Problem' schon an sich problematisch ist, aber nur mit 'Themen' als Synonym funktioniert die Formulierung nicht.)
Für Vandalismus und solche Sachen sind die Ordnungsbehörden zuständig, also das Ordnungsamt und die Polizei.

Georg
LAK-Geschäftsstelle
Beiträge: 120
Registriert: 16. Sep 2015 17:43

Re: Stollberg stellt die Weichen in der Jugendarbeit neu (Freie Presse, 08.01.2020)

Beitrag von Georg »

Mir sind eure beiden Zitate auch aufgefallen.
Mal weg von der lokalen Situation ist eine solche Darstellung von MJA ja kein Einzelfall. Seit Jahren verfolge ich ähnlich klingende Zeitungsartikel im ganzen Land. Und seit quasi Anbeginn des Arbeitsfeldes argumentiert die MJA so wie du, Raimo: "Mobile Jugendarbeit sieht sich für Probleme zuständig, die junge Menschen haben, nicht für die, die sie machen."
Das Verständnis, MJA doch als Feuerwehr und Ordnungsinstrument zu begreifen ist aber so wirkmächtig, dass wir da scheinbar nur in Einzelfällen gegen ankommen.

Antworten