Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Themen, die sonst nirgendwohin passen
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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Mir ist der Artikel zur Menschenwürde von Kindern zu einseitig. Vielleicht bin ich in einer Filterblase gefangen, aber ich sehe und höre viele politische Verantwortliche, die um die Bedürfnisse der jungen Menschen wissen. Das ist viel Luft nach oben (ja schon immer) und die Lobby junger Menschen ist natürlich nicht vergleichbar mit Wirtschaftsverbändern.
Und grundsätzlich bin ich bei dir Raimo und arbeite auch gerne mit.
Was ich nicht so sehe ist, dass die Kinder und Jugendlichen NUR zum Schutz anderer weggesperrt werden. Es ist auch zu ihrem eigenen Schutz! Niemand weiß wie das Virus sich auf den jeweiligen Körper auswirkt. Viele sind vorbelastet mit Allergien, Asthma usw. und gerade die vulnerablen Gruppen zeichnen sich nicht besonders durch die Möglichkeiten gesunder Ernährung und beste Gesunheitszustände aus, junge Menschen die rauchen etc.....Wollen wir uns anmaßen zu sagen, dass diese jungen Menschen nicht geschützt werden brauchen?
Ich finde Angstmacherei usw. auch nicht sinnvoll, aber ich denke,das Bild, dass alles nur für die alten Menschen gemacht wird, ist überholt, nicht richtig und wir sollten es auch nicht weiter reproduzieren.

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Äh, Moment mal.
Ich dachte, unser Arbeitsfeld ist anwaltschaftlich und pateiisch für Kinder und Jugendliche da. Das bedeutet "parteiisch": Auf einer (deren) Seite stehen.) Oder etwa nicht? Dementsprechend darf das einseitig sein. Vielleicht muss es das sogar und zwar radikal. Und da darf es auch keine Denkverbote geben.
Falls wir diesen Blickwinkel nicht einnehmen (wollen), sind wir bei der "Allparteilichkeit", die diskutiert, aber verworfen wurde, wenn ich mich recht erinnere.
Und wenn wir die Sichtweise aus dem Blick der Kinder und Jugendlichen selbst von Beginn an relativieren, brauchen wir die Idee gar nicht weiter zu verfolgen. Denn dann finden wir kein Gehör damit, denn es würde in der Abwägung anderer Interessen untergehen. Vielleicht in paar Wochen (oder Monaten), wenn nicht mehr dran ist, wer am lautesten schreit. Aber dann isses auch egal, dann ist der angerichtete Schaden schon längst (wieder) Normalität geworden.
Und wir können uns mit unserem Arbeitsfeld wieder darauf stürzen, bereits angerichteten Schaden irgendwie kleiner zu machen bzw. zu beheben. Man könnte auch, und das wäre ja mal radikal UND einseitig: Wir versuchen einfach mal, das Ganze gleich richtig zu machen, so dass es vielleicht keiner jahrelang begleiteten Schadenbegrenzung bedarf. Und Kinder und Jugendliche so zu behandeln, wie es geboten wäre.

Und noch was einseitiges hinterher: Da das aber kaum irgendeinem lebenden Menschen je wiederfahren ist, ist es natürlich auch schwer vorstellbar, wie die dazu passende Welt aussehen könnte. Aber hey, wir bauen uns gerade eine neue Welt. Warum denn nicht mal damit anfangen? Ohne Relativierung.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Jetzt sind wir wieder an dem Punkt, wo es schwer ist schriftlich zu kommunizieren .....
Ja wir sind parteiisch und anwaltschaftlich. Kann ich auch sein, wenn ich darüber informiere was eine Infektion bedeuten könnte (nicht muss). Ich gebe Informationen und stelle Zugang zu Informationen her. Die Meinung und entsprechende Entscheidungen können junge Menschen sich dann selber bilden. Das ist der Job des Arbeitsfeldes.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was du mit der Relativierung aus Sicht der jungen Menschen meinst.
Raimo hat geschrieben:
30. Apr 2020 14:33
Man könnte auch, und das wäre ja mal radikal UND einseitig: Wir versuchen einfach mal, das Ganze gleich richtig zu machen, so dass es vielleicht keiner jahrelang begleiteten Schadenbegrenzung bedarf. Und Kinder und Jugendliche so zu behandeln, wie es geboten wäre.
Ich habe auch kein Bild dazu was und wie du das meinst. Hast du konkrete Beispiele?

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Ein kurzer Angebotshinweis zwischendurch:

Die Plattform https://www.maskmaker.de/ bringt Maskennäher*innen und Einrichtungen zusammen, welche Masken benötigen/ausgeben. Kostenlos für die Einrichtungen und bereits erprobt von Streetworkprojekten ;)

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Ich möchte mal selbstkritisch anmerken, dass wir in dieser Diskussion inhaltlich nicht besonders kreativ sind. (: Aber wir können sie vielleicht abkürzen, wenn die Angebote der MJA ab Montag nicht nur aufsuchend, sondern auch in den Einrichtungen wieder möglich sind. Aus § 5 (2) der neuen Corona-Schutz-Verordnung:
Erlaubt ist insbesondere die Öffnung von […] Einrichtungen für Fachberatungen im sozialen und psychosozialen Bereich [oder] Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit mit einem mit der zuständigen kommunalen Behörde abgestimmten Konzepts zur Hygiene und professioneller Betreuung
SMS-SaechsCoronaSchVO-2020-04-30.pdf
(121.14 KiB) 71-mal heruntergeladen
Das Erstellen von Hygiene- und Betreuungskonzepten ist sicherlich etwas mühselig, aber nach vielen Wochen Übung wohl eher keine echte Herausforderung. Die öffentlichen Träger dürften ebenfalls ein Interesse daran haben.

Beste Grüße, willie
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Und hier auch noch zur Vervollständigung das Papier der AGJF Sachsen und des KJRS zur Öffnung von Angeboten der OKJA und der Jugendverbandsarbeit sowie zu Angeboten der Erholung.
Dateianhänge
KJRS_AGJF_Schreiben_Wiedereinstieg-2.pdf
(888.89 KiB) 58-mal heruntergeladen

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Simone hat geschrieben:
30. Apr 2020 14:58
Jetzt sind wir wieder an dem Punkt, wo es schwer ist schriftlich zu kommunizieren .....
...ja, hat niemand gesagt, dass es leicht ist. Da stimme ich zu. Ich glaube jedoch, dass es lohnenswert wäre, diese Diskussion zu führen. Und es scheint mir nicht, dass ich dazu eine exklusive Einzelmeinung habe. Wenn jedoch darüber schriftlich zu kommunizieren nicht passend ist, dann ist das Forum vielleicht nicht das richtige Medium.

Wiedemauchsei. Seit Donnerstag hat es ja nun in den politischen Entscheidungen Entwicklungen hin zu mehr Orientierung an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gegeben. Diese Perspektive habe ich tatsächlich fast vollständig vermisst in den letzten Wochen. Diese Entwicklung ist in jedem Fall begrüßenswert.
Die möglichen Öffnungen von Angeboten der offenen Jugendarbeit und die Öffnung von Spielplätzen, beides mit einem bereits erwähntem Hygieneschutzkonzept, ist richtig und notwendig. Ich bin tatsächlich überrascht, dass diese Punkte bereits in dieser "Lockerungsrunde" zum Tragen kamen. Hatte ich nicht erwartet.

Zum Erstellen eines Hygieneschutzkonzeptes: Es gibt eine Vorlage des Gesundheitsamtes Dresden mit den Punkten, welche dort in den Schutzkonzepten erfüllt und beantworten werden wollen.
Dateianhänge
2020-05-01_HZ_Selbstcheck_Jugendhilfe.pdf
(134.37 KiB) 56-mal heruntergeladen

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Simone
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Simone »

Raimo hat geschrieben:
4. Mai 2020 11:15
Simone hat geschrieben:
30. Apr 2020 14:58
Jetzt sind wir wieder an dem Punkt, wo es schwer ist schriftlich zu kommunizieren .....
...ja, hat niemand gesagt, dass es leicht ist. Da stimme ich zu. Ich glaube jedoch, dass es lohnenswert wäre, diese Diskussion zu führen. Und es scheint mir nicht, dass ich dazu eine exklusive Einzelmeinung habe. Wenn jedoch darüber schriftlich zu kommunizieren nicht passend ist, dann ist das Forum vielleicht nicht das richtige Medium.

Ich scheue auch nicht die Diskussion generell, aber die Diskussion schriftlich ist schweirig für mich, da ich Deuine Zielstellung für mich noch nicht wirklich fassen kann. Und ja, für mich persönlich ist das deswegen Forum nicht der geeignete Ort, aber ich gebe mir Mühe ;-)

Hast du eine Idee, wo diese Diskussion noch geführt werden könnte/sollte? Ist das Thema für dich mit den beschlossenen und in Aussicht gestellten Lockerungen erledigt?

Danke für den Verweis auf das Hygienschutzkonzept aus Dresden!

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willie
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von willie »

Örm, ich sehe nicht, welche Zeilen zu wem gehören. o_O
Kommunikation ist unwahrscheinlich.

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Nun, das hier mag vielleicht wieder zu einseitig sein, Haarspalterei, längst überholt oder auch wenig kreativ. Wichtig ist aber dennoch: Der Blickwinkel oder die Perspektive aus Sicht der jungen Menschen:

Junge Menschen müssen an Entscheidungen und Regeln zur Lockerung mitwirken

Guter Beitrag vom DBJR.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Mittlerweile wurden die, meines Wissens nach, ersten Ergebnisse von Befragungen veröffentlicht, welche sich gezielt an junge Menschen (hier ab 15 Jahren) richten:
https://www.uni-hildesheim.de/neuigkeit ... udie-juco/
Zwei Ergebnisse stechen heraus: „Jugendliche wollen nicht nur auf die Rolle als Homeschooler*in reduziert werden“, so Tanja Rusack aus dem Hildesheimer Forschungsteam. Ihr veränderter Lebensalltag und ihre Sorge werden kaum wahrgenommen. Zudem, ergänzt Johanna Wilmes, die ebenfalls in dem Verbund mitarbeitet: „Die Jugendlichen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen Gehör finden, die Beteiligungsformate von jungen Menschen scheinen nicht krisenfest“. Die jungen Menschen hätten den Eindruck, dass gegenwärtig die Erwachsenen allein entscheiden, wie sie in der Corona-Krise ihren Alltag zu gestalten haben.

Die Jugendlichen haben die Befragung genutzt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Dies sehen wir auch daran, wie viele Jugendliche die Freitextfelder ausgefüllt haben, die es auch im Fragebogen gibt“, berichtet Anna Lips aus der Auswertungsarbeit. „Schon daran kann abgelesen werden, wie groß das Bedürfnis ist, gehört zu werden.“
Detaillierte Ergebnisse gibt es auf der Seite, ebenfalls Links zu kurzen Fernsehbeiträgen. Einige Presseberichte gab es ebenfalls.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Des weiteren hatten Simone und ich eine vorerst grobe, bisher unausgereifte Idee, die wir gern in die Runde geben würden:
Kurze Beiträge aus der Praxis könnten Schlaglichter auf verschiedene Aspekte werfen, um konkrete Bedürfnisse von Einzelnen oder Gruppen zu beschreiben, evtl. auch Schwierigkeiten durch den Wegfall von Hilfsangeboten o.ä. Diese Berichte könnten nach und nach auf der Homepage und über unsere Kanäle veröffentlicht werden und so auch weiterhin, sehr anschaulich, den Alltag der Praxis aufzuzeigen. Wenn ihr hierfür Ideen zu einer guten Umsetzung oder Nachfragen habt, immer her damit.

Georg
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Georg »

Ein, wie ich finde, wichtiges Papier hat das Bundesnetzwerk Kinder- und Jugendarbeit herausgegeben. In ihm wird die Bedeutung der Jugendarbeit verdeutlicht, die hier schon mehrfach angesprochene Rolle von "zu funktionierenden" jungen Menschen kritisch betrachtet und die Berücksichtigung von Bedarfen junger Menschen in den weiteren Lockerungsplänen in den Blick genommen.
Gleichzeitig ergeht aber auch der Appell an die Praxis, angemessene Angebotsformen mit jungen Menschen zu entwickeln, welche die noch langfristig zu erwartenden pandemiebedingten Einschränkungen berücksichtigen.

https://www.jugendhilfeportal.de/jugend ... rzichtbar/

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Raimo
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Re: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Mobile Jugendarbeit

Beitrag von Raimo »

Ich kann zwar nicht überblicken oder abschätzen, welche Wirkung mit diesem Papier erzielt werden kann. Oder könnte.

Aber richtig und wichtig ist es allemal. Die richtigen Themen aus der richtigen Perspektive. Gewünscht hätte ich mir noch - aber vielleicht ist das nicht der passende Ort dafür - eine kritische Sichtweise auf die ausgelöste Verunsicherung bei jungen Menschen und eine Art Ächtung des planvollen Schürens von Angst.

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