Glossar

Auf dieser Seite finden sich einige für das Projekt TraRa grundlegende Begriffe.

PAKOs – pauschalisierende Ablehnungskonstruktionen

Pauschalisierende Ablehnungskonstruktionen nach Kurt Möller beschreiben keine punktuell abgegebenen Statements als Einstellungen. Sie beschreiben vielmehr Prozesse der biografischen Herausbildung von politisch-sozialen Haltungen. Diese Einstellungen und Aktivitäten können von einer schlichten Distanzierung über Abwertung, Hass und Diskriminierung bis hin zu Gewaltverhalten reichen. Unter folgendem Link findet sich eine Abgrenzung zum Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) und Ansätze für einen pädagogischen Umgang mit derartigen Orientierungen: Mit KISSeS gegen PAKOs

Rechtsextremismus

Durch den Verfassungsschutz wird der Rechtsextremismus als Haltung beschrieben die:

  • die Gleichheit aller Menschen in Frage stellt und damit die universelle Geltung der Menschenrechte ablehnt
  • den Verfassungsstaat ablehnt
  • ein autoritäres Staatsverständnis hat
  • ethnische Zugehörigkeiten überbewertet (Fremdenfeindlichkeit)
  • sich gegen den Pluralismus (das rechtssichere Nebeneinander verschiedener Lebensentwürfe) stellt.

diese Auflistung ist nicht abschließend verweist jedoch mit ihrem Mangel an Schärfe darauf, dass problematische Orientierungen schon weit vor dem Gewaltbereitschaft z. B. der „Freien Kräfte“ beginnen. Eine detaillierte Klärung auch der Unterscheidung zum Rechtsradikalismus und zum Neonazismus findet sich hier: bpb

Der Begriff Extremismus stammt von den lateinischen Wörtern ‘extremus’ und wird mit der äußerste, der letzte und auch mit der schlimmste, der gefährlichste, der schlechteste und der verächtlichste übersetzt (Übersetzung bei Pons). In der kritischen Reflexion des Begriffes wird dieser Grundtenor aufgegriffen und die Gefahr der des Missbrauchs zur Disqualifizierung von politisch anderen Meinungen benannt.

Der Extremismusbegriff mit den Antagonisten Rechts- und Linksextremismus, bezogen auf eine politische „Mitte“, die durch Bestrebungen von den „Rändern“ gegen eine gesellschaftliche „Normalität“ gefährdet würde, ist umstritten. Die eindimensionale Sichtweise auf das politische System und die Herausforderung der vagen Begriffe (oben in Anführungszeichen) weisen auf die Streitigkeit des Begriffes hin. Erst später wurden auch islamistischer bzw. religiöser Extremismus hinzugezählt. Ein kompakter und aufschlussreicher Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung: bpb zu Extremismus

Rechtsradikalismus

Das lateinische Wort radix bedeutet Wurzel oder Ursprung. Radikale Haltungen im Bereich der Politik und von Ideologien zielen auf eine tiefgehende und weitreichende Lösung gesellschaftlicher und soziale Herausforderungen. Das Agieren ist hierbei harsch konsequent und kaum kompromissbereit. Derartige Grundeinstellungen stehen nicht unbedingt im Gegensatz zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Verweis auf einen Text der bpb

Rechtspopulismus

Die Grundlage von populistischen Phänomenen ist eine Argumentation auf einer behaupteten Basis der konträren Pole das Volk gegen die Eliten. Rechtspopulistische Parteien in Mitteleuropa agieren im Rahmen der bestehenden politischen Ordnung, fokussieren hierbei aber mehr das Volk als Souverän und lehnen den Pluralismus (Minderheitenschutz, Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe …) ab, der aber konstitutiv für die Demokratie ist. Innerhalb des populistischen Spektrums gibt es Differenzen bezogen auf die Haltung bezüglich gleichgeschlechtlicher Paare, Israel etc. Es gibt immer wieder Anknüpfungen an rechtsradikale und rechtsextremistische Strukturen.

Faschismus

Faschistische Systeme sind Diktaturen, deren Vertreter und Anhängerschaft gegen die Demokratie eingestellt sind. In den meisten Fällen besitzt nur eine einzige Partei politische Wirksamkeit. Gegen Andersdenkende wird massiver Terror und Gewalt eingesetzt. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit gibt es nicht.

Der Faschismus als Herrschaftsform war vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einigen europäischen Ländern, u.a. Italien, Spanien, Portugal, Österreich, verbreitet. Die faschistische Herrschaft – der Nationalsozialismus – in Deutschland (1933 – 1945) zeichnete sich durch ein hohes Maß an Brutalität, Perfektionismus und „Erfolg“ (bezogen auf die innerstaatliche Umsetzung) aus.

Neonazismus

Neonazis knüpfen ideologisch an den Nationalsozialismus an und streben einen Einparteienstaat mit einem „Führer“ an. Dieser ist totalitär und rassistisch gedacht. Die Interessen der Nation (Gemeinschaft „deutschen Blutes“) stehen über denen anderer Nationen. Der Antisemitismus ist immanent. Neonazis zeichnen sich durch fremdenfeindliche Agitation, Gewalttaten sowie verfassungsfeindliche Symbolik und Handlungen aus.

Eine aktuell auch in Sachsen recht aktive neonazistische Vereinigung ist der sogenannte III. Weg.

Neue Rechte

Im Bemühen den Rechtsextremismus intellektuell zu unterfüttern, entstand im Nachkriegs-Europa die geistige Strömung der „Neuen Rechten“. Sie nimmt Bezug auf antidemokratische Denker der Weimarer Republik („Konservative Revolution“). Der bestehende Verfassungsstaat wird abgelehnt. Ziel der Aktivitäten ist eine grundlegende Umgestaltung des politischen Systems.

Aktuell gibt es hier neuere Strömungen, die sich durch ein hohes Maß an Vernetztheit, gegenseitige Bezugnahme und eine eindeutige Zielstellung auszeichnen:

  • Götz Kubitschek und sein Institut für Staatspolitik
  • Identitäre Bewegung
  • Ein Prozent