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Stellungnahme des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. zur Novellierung des sächsischen Polizeigesetzes

Der LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. ist der Fachverband für das sozialpädagogische Arbeitsfeld von Mobiler Jugendarbeit und Streetwork. Wir bieten den Fachkräften in den Projekten Fach- und Praxisberatung an,organisieren Praktiker*innentreffen, Fachtage und bedarfsgerechte Weiterbildungen und betreiben kommunale und landesweite Lobbyarbeit für das Arbeitsfeld der aufsuchenden Jugendarbeit. Die Leistungen unseres Fachverbandes orientieren sich am § 1 des SGB VIII, in dem Sinne, Fachkräfte dabei zu unterstützen, dass sie jungen Menschen bei der Entwicklung individueller Lebensperspektiven zur Seite stehen können. Aus dieser Position heraus sehen wir, Vorstand und Geschäftsstelle des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V., es als dringend notwendig an, uns im Sinne einer fachlich qualitativen pädagogischen Arbeit im öffentlichem Raum mit jungen Menschen, zur Novellierung des Polizeigesetzes in Sachsen zu positionieren.

Für Nachfragen und/oder Fachgespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

Stellungnahme des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. zur Novellierung des Polizeigesetzes

Mobile Jugendarbeit/Streetwork agiert anwaltschaftlich für und mit jungen Menschen im öffentlichen Raum. Ein wichtiger Arbeitsauftrag ist dessen Aneignung, Erhaltung und Gestaltung genauso wie in sozialen und metaphorischen Räumen. Dabei kommt es notwendigerweise zu Konflikten zwischen verschiedenen Interessen der agierenden Gruppen, zum Beispiel Freizügigkeit vs. Regulierung oder Ruhebedürfnis vs. Aktivität. Eine Aufgabe Mobiler Jugendarbeit/Streetwork ist hier zu vermitteln und auszuhandeln, unter anderen auch mit Polizei und Ordnungsbehörden.

Die vorliegende Neufassung des sächsischen Polizeirechts wird vom LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. angesichts seiner tiefen und teils unkontrollierbaren Einschnitte in die demokratischen Grundrechte abgelehnt. Es ist zu befürchten, dass marginalisierte Gruppen besonders von den geplanten Kontroll- und Restriktionsbefugnissen betroffen sein werden.

Vermehrte und tiefergehende Kontrollen, Aufenthalts- und Alkoholverbote werden zu einer weiteren Verdrängung und Kriminalisierung der Adressat*innen Mobiler Jugendarbeit/Streetwork führen. Ein anwaltschaftlicher Zugang wird zusätzlich erschwert durch die im Gesetz vorgesehene Überwachungsmöglichkeit von Sozialarbeiter*innen als mögliche Kontakt- und Begleitpersonen.

Angesichts moderner Kommunikationsmittel erscheint eine Modernisierung und Neuordnung polizeilicher Befugnisse sinnvoll. Einige neu eingeführte Regelungen greifen jedoch direkt in die Rechte der Adressat*innen von Mobiler Jugendarbeit/Streetwork bzw. der dort professionell Tätigen ein. Das sind:

  1. Ausweitung von Videoüberwachung
  2. Vorverlagerung von polizeilichen Eingriffen durch einen unbestimmten Gefahrbegriff
  3. Potenzielle Überwachung von Mobiler Jugendarbeit/Streetwork als Kontakt- und Begleitpersonen
  4. Fehlen der vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geforderten Kennzeichnungspflicht
  5. Fehlen einer unabhängigen Beschwerdestelle

Der LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. bringt mit dieser Stellungnahme grundsätzliche Bedenken gegen die geplanten Sächsischen Polizeigesetze zum Ausdruck. Genauso wie es ein legitimes Anliegen ist, alle Menschen im Freistaat Sachsen vor schweren Gewalttaten zu schützen, müssen polizeiliche Befugnisse dabei im Einklang mit allgemeinen Menschenrechten und verfassungsmäßigen Grundrechten stehen.

Vorstand und Geschäftsstelle des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V.
Chemnitz, im Dezember 2018

Straßensozialarbeiter*in in Leipzig

Die Stadt Leipzig zum nächstmöglichen Zeitpunkt, zunächst befristet bis zum 30. April 2019, mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 32 Stunden, für das Amt für Jugend, Familie und Bildung, Abteilung Jugendhilfe eine/-n Straßensozialarbeiter/-in
Die Abteilung Jugendhilfe ist innerhalb des Amtes für Jugend, Familie und Bildung für die § 11 – 16 und die gesamte Jugendhilfeplanung, § 80, im Rahmen des SGB VIII, Kinder- und Ju-gendhilfegesetzes zuständig. Straßensozialarbeit als aufsuchender Jugendberatungsansatz wirkt sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen entgegen und berät, begleitet, betreut und vermittelt junge Menschen, die in erhöhtem Maße auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.
Die Befristung erfolgt nach § 14 Absatz 2 Teilzeit- und Befristungsgesetz. Bewerber/-innen, die bereits in einem befristeten oder unbefristeten Beschäftigungsverhältnis mit der Stadt Leipzig oder einem Eigenbetrieb gestanden haben oder derzeit bei der Stadt Leipzig befristet beschäftigt sind, können für die Stellenbesetzung nicht berücksichtigt werden.

Das erwartet Sie:
 Straßensozialarbeit mit verschiedenen Zielgruppen, Kontaktaufnahme und -pflege
 Beratung und Krisenintervention für junge Menschen zur Stabilisierung und Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse
 Begleitung und Unterstützung bei der Durchsetzung individueller Anliegen
 Betreuung durch Angebote der Grundversorgung (z. B. Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wäsche waschen, duschen)
 Motivation und Vermittlung in höherschwellige Einrichtungen
 Spritzentausch für drogengebrauchende und –abhängige junge Menschen
 Organisation und Koordination verschiedener Hilfsangebote
 Zusammenarbeit mit sozialen Diensten, Einrichtungen und Institutionen
 Mitarbeit in Fachgremien- und Arbeitskreisen sowie Projektarbeit
 Zielorientierung in der Einzelfallhilfe

Das sind unsere Anforderungen:
 Bachelor of Arts oder Fachhochschulabschluss in der Fachrichtung Soziale Arbeit/Sozialpädagogik mit staatlicher Anerkennung
 praktische Erfahrungen in Bereichen der Jugend- und Sozialhilfe, insbesondere der Erlebnispädagogik
 anwendungsbereite Kenntnisse der einschlägigen Gesetzgebung wie dem SGB VIII
 Einfühlungsvermögen im Umgang mit benachteiligten und gefährdeten jungen Menschen
 hohe Kommunikations- und Konfliktlösekompetenz
 Kreativität, Teamfähigkeit, hohe Belastbarkeit und offensives Auftreten
 flexible Arbeitszeitgestaltung
 Führerschein der Klasse B und Fremdsprachenkenntnisse – insbesondere Russisch, Arabisch, Englisch wünschenswert

Das bieten wir:
 eine nach der Entgeltgruppe S12 des Tarifvertrages für den Sozial- und
Erziehungsdienst bewertete Stelle (Prüfung der Erfahrungsstufen erfolgt individuell
nach Ihrer einschlägigen Berufserfahrung)
 eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einem erfolgreich funktionierenden Team
 einen Arbeitsplatz im Herzen einer von hoher Lebensqualität sowie sozialer und
kultureller Vielfalt geprägten Stadt mit über 590.000 Einwohnern/Einwohnerinnen
 zahlreiche, interessante Fortbildungsmöglichkeiten
 flexible Arbeitszeiten innerhalb eines Gleitzeitrahmens
 eine zusätzliche betriebliche Altersversorgung
 ein ermäßigtes Ticket für den Personennahverkehr („Job-Ticket“)

Bitte lesen Sie vor einer Bewerbung unsere Hinweise zum Stellenbesetzungsverfahren . Bitte beachten Sie, dass wir unsere Stellen nur nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung
besetzen dürfen. Wir können Sie daher im weiteren Verfahren nur dann berücksichtigen,
wenn Sie uns Nachweise hierüber vorlegen.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung mit einem
 Bewerbungsschreiben,
 tabellarischem Lebenslauf,
 Nachweis über die erforderliche berufliche Qualifikation,
 Kopien von qualifizierten Dienst-/Arbeitszeugnissen/Beurteilungen, die nicht älter
als drei Jahre sind
 oder gegebenenfalls Referenzen oder dem Hinweis, bei wem wir eine Referenz
über Sie einholen dürfen.

Bitte geben Sie bei Ihrer Bewerbung die Stellenausschreibungsnummer 51 11/18 97 an und
nutzen Sie für Ihre Bewerbung das Online-Bewerber-Portal auf  Homepage der Stadt Leipzig. Ansprechpartnerin für
diese Ausschreibung ist Frau Fließ, Telefon: 0341 123-2766.
Ausschreibungsschluss ist der 20. November 2018.

Stellenausschreibung als PDF

Das neue Angebot des LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V.

Zum 1.10.2017 gibt es ein neues Angebot unter dem Dach des LAK: „TRARA – Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention“

Der neue Mitarbeiter Sascha Rusch wurde bei der Mitgliederversammlung vorgestellt. Er präsentierte dort eine Zusammenfassung des Konzeptes. Kurzfristig steht die Aufgabe Arbeitsfähigkeit herzustellen. Für Fragen nutzt bitte vorerst die bekannten Kontaktmöglichkeiten.

„TRARA – Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention“

Die Fachkräfte der MJA und deren Netzwerkpartner*innen (z. B. der offenen Kinder – und Jugendarbeit, der Jugendberufshilfe, der Schulsozialarbeit, der gemeinwesenorientierten Arbeit, der Hilfen zur Erziehung usw.) sind in ihrer täglichen Arbeit im Kontakt mit jungen Menschen, die sich rechtspopulistisch, gruppenbezogen menschenfeindlich und latent rechtsorientiert äußern und verhalten. Islam- und Geflüchtetenfeindliche, rassistische Mobilisierungen haben in den vergangenen fünf Jahren eine neue Quantität aber auch Qualität erreicht. Es zeigt sich, neben einer Teilung vieler Gemeinwesen in Asylablehnende und Befürworter*innen, eine deutliche Vermischung zwischen neonazistischen Strukturen und der bisher kaum bis nicht politisch aktiven, sowie nicht rechtsaffin in Erscheinung getretenen „Mehrheitsbevölkerung“ bis hin zur Einbindung kommunal Verantwortlicher. Dies wirkt deutlich auf die politische Sozialisation junger Menschen, auf die Wahrnehmung von „Sagbarkeiten“, „Dominanzbegründungen“, politisches Aushandlungsverhalten sowie Demokratieablehnung allgemein. Der durch die Mobilisierungen ausgeübte Druck wirkt auf junge Menschen als Aktivitäts- und Identitätsangebot und mündet vielerorts in Hinwendungen zu neonazistischen oder rassistischen Strukturen, Einbindung in Aktivist*innennetzwerke sowie in Inszenierungen kriegerischer Männlichkeiten sowie wehrhafter/ völkischer Weiblichkeiten. Hinzu kommen wieder verstärkt wahrnehmbare Aktivitäten zur strategischen Unterwanderung von Projekten und Einrichtungen der Jugend- und Gemeinwesenarbeit. Hier werden einerseits Versuche unternommen, neue Sympathisant*innen zu gewinnen aber auch nicht Sympathisierende, People of Color und Fachkräfte angefeindet und bedroht. Dies mündet u. a. in Angebote der „nationalen Jugendarbeit“ für „deutsche Jugendliche“ von neonazistischen Szenemitgliedern.

Bisherige Maßnahmen der Qualifizierung in Form von Tagesseminaren und Workshops haben Nachteile wie: Kurzfristigkeit/Blitzlichthaftigkeit, Apellativität, fehlender Teamtransfer/fehlende konzeptionelle Absicherung, Querschnittsinhalte statt Standortspezifik, Bildungs- bzw. Überzeugungsfokus. Beratungsprozesse finden vereinzelt statt, sind aber nicht Teil einer Strategie eines Fachverbands für eine gesamtes Arbeitsfeld oder die Breite der Jugendarbeit. Bestehende Methodensammlungen und methodische Vorschläge sind nur wenig tauglich für dynamische, niedrigschwellige, freiwillige Settings mit wechselnden, heterogenen Adressat*innen(gruppen). Auch aus diesem Grund ist es wichtig, das Verbandsträger und Praktiker*innen in Expert*innen- und Wissenschaftskreise bestehende Umsetzungshürden zurück spiegeln können, um Konzepte gemeinsam im Feld zu entwickeln.

TRARA – das Modellprojekt zur Implementierung von Transferstrategien als Radikalisierungsprävention soll in Sachsen Multiplikator*innen der (Mobilen) Jugendarbeit unterstützen, beraten und begleiten, um mit rechtsextremen Orientierungen und Handlungen im täglichen Arbeiten umzugehen und Transferstrategien zu entwickeln, zu erproben und zu verstetigen.

Das Modellprojekt wird beim Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ im Programmbereich E – Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention beantragt. Das Interessensbekundungsverfahren ist positiv verlaufen und der Antrag ist gestellt. Eine Drittmittelfinanzierung wurde über das Weltoffene Sachsen beantragt.

Nach sozialpsychologischen Bedingungen ist es vornehmlich die Sozialisation, das Hineinwachsen in die Gesellschaft, die die Grundhaltungen gegenüber anderen Menschen beeinflusst. Hier muss und kann mobile Jugendarbeit mehr ansetzen und durch ihre breiten Kontakte in den Sozialräumen einen umfangreichen Beitrag zur Abwendung und zum Abbau von Radikalisierungsdynamiken beitragen. Sie ist in der Lage, mit sozialräumlichen Partner*innen, gemeinwesenwirksam Diskurse demokratisch zu prägen. Dies bedeutet eine sozialisatorische Ergänzung in Räumen, in denen, rassistische, nationalistische und völkische Narrationen und Vergewisserungsrhetorik Mainstream sind oder deutlich mehr wahrnehmbar als demokratisch und vielfaltsorientierte Diskurse. Fachkräfte können die Motivlagen und Anforderungen rechtsaffiner, junger Menschen in der ständigen Kommunikation analysieren und Settings schaffen, welche entsprechende Äußerungen/ Inszenierungen in Frage stellen bzw. den Druck mindern, sich entsprechend zu äußern. In der direkten Arbeit mit den Adressat*innen kann dies keine Workshopsettings bedeuten, sondern strategisch angelegte Gesprächs- und Begleitprozesse sowie punktuell Projektmaßnahmen mit non-formalem Bildungscharakter. Hierfür sind entsprechend passende Ansätze auszuwählen und breit ins Arbeitsfeld einzuwirken.

Daraus ableitend braucht es verknüpfte Bildungs- & Beratungsleistungen bezüglich Methoden und Ansätzen z.B zur Arbeit mit demokratiefernen jungen Menschen und denjenigen, die dabei sind sich zu entfernen. Das Modellprojekt soll den Raum für eine geschützte Reflexion bieten und den Rahmen für individuelle Wissens- und Handlungskompetenzerweiterung beim Umgang mit diesen jungen Menschen geben. In Formaten wie Beratung, Begleitung, Coaching und Weiterbildung sollen verschiedene Vorgehensweisen entwickelt und erprobt werden. Der Fachaustausch und der praxisbezogene Austausch mit Expert*innen bundesweit wird vom Modellprojekt initiiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Erweiterung von Wahlmöglichkeiten von jungen Menschen, um demokratische Strukturen zu stärken.

Fachkräfte sind in der Lage (durch besuchte grundlagenbezogene Fortbildungen), eine Einschätzung über Hinwendungsgrade abzugeben und sich im Kontakt demokratisch zu positionieren. Trotzdem stellt sich an vielen Stellen ein Gefühl der Hilflosigkeit bzw. Ohnmacht ein. Weitergehende Kenntnisse zu Ergebnissen aus modellhaften Prozessen, Evaluationen und Studien finden kaum Niederschlag in der Regelpraxis. Dies liegt einerseits an den prekären Arbeitsverhältnissen der Kolleg*innen, andererseits an einem fehlenden fundierten, auf Dauer angelegten Transfer zwischen Wissenschaft sowie Expert*innen-Präventions- und Regelpraxis. Hinzu kommen Leerstellen in der Ausbildung der Fachkräfte, in welcher Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention trotz der hohen Anforderungen in der Praxis nur eine marginale Rolle spielen. Notwendig sind daher Strategien für eine angemessene Fundierung zu den Themen in den Ausbildungsgängen der Sozialen Arbeit sowie intensive Begleitung von Fachkräften in der Praxis, um Handlungssicherheit zu geben. Dies kann der LAK als Dachverband im Verbund mit Expert*innen im Themenfeld im Rahmen von Begleit- und Qualifizierungsprozessen über das Modellprojekt leisten.

Ziel des Modellprojektes ist es, aktuelle pädagogische Ansätze der Radikalisierungsprävention im Zusammenhang mit Ansätzen der Demokratie- und antirassistischen Jugendbildung im Arbeitsfeld der (aufsuchenden) Jugendarbeit im Bundesland zu implementieren.

Projektlaufzeit: 01.10.2017 – 31.12.2019

Projektstandort: Geschäftsstelle des LAK MJA Sachsen e.V. in Chemnitz

Zuständigkeitsbereich: gesamt Sachsen

Corax: Neuen Herausforderungen mit bewährten Konzepten begegnen

Simone Stüber und Reiko Fitzke haben im Corax 01/2016 veröffentlicht:

„Back to the roots“
Neuen Herausforderungen mit bewährten Konzepten begegnen
Mobile Jugendarbeit / Streetwork in der Migrationsgesellschaft

Der Artikel steht hier zum Download (PDF: 5,9MB) zur Verfügung.

Dokumentation Werkstatt “Hybride Streetwork”

Hybride Streetwork – Mobile Jugendarbeit in Bewegung

Der Werkstatt „Hybride Streetwork“, ging eine Diskussion von Fachleuten voraus, geschürt von der Beobachtung, dass:

  • sich Zugänge zu jungen Menschen und ebenso Arbeitsweisen mit diesen verändert (vielmehr erschwert) haben

  • und daran anschließend die Frage, ob es überhaupt noch „ausreichenden“ Bedarf an Mobiler Jugendarbeit gibt? Beziehungsweise abgeschwächter, inwiefern sich Mobile Jugendarbeit veränderten Zugängen, Bedarfen, Zielgruppen und aktuellen Herausforderungen stellen kann und muss.

Auftakt intensiverer Diskussionen war der Workshop „Aufwachsen in der mixed reality – Herausforderungen für eine hybride Streetwork“ von Johannes Brock zum LAK Treffen im vergangen Jahr.

/wp-content/uploads/2013/06/LAK_MJA_Sachsen_Dokumentation_Streetworktreffen_2014.pdf

Die folgende Fachdiskussion, unter dem Arbeitstitel „Hybride Streetwork“, mündete in der Erkenntnis, dass es einerseits einen Abgleich zu den gemachten Beobachtungen, Vermutungen und Diskussionen geben muss und dringend eine Fachdiskussion zu aktuellen Trends und Entwicklungen von Jugend und weitergehend eine Weiterentwicklung Mobiler Jugendarbeit geben muss.

Die Werkstatt „Hybride Streetwork“ wurde eingeleitet von einem Vortrag von Johannes Brock, welcher in drei Workshop´s unter den Themen „Orte und Räume“, „Identitäten“ und „Unsichtbare Jugend“ mündete. Neben Fachaustausch, mit dem Fokus auf „best practise“ – Erfahrungen, wurden zentrale Fragestellungen erarbeitet. Als Ergebnis der Veranstaltung kann festgehalten werden, dass einerseits die bereits geführten Diskussionen auf „fruchtbaren Boden“ bei den Teilnehmer/-innen fielen und damit ein Bedarf an Diskussion und Weiterentwicklung bei den Mitarbeiter/-innen Mobiler Jugendarbeit vorausgesetzt werden kann. Und gleichzeitig fachliche Diskussionen angestoßen wurden, die Mobile Jugendarbeit weiterentwickeln kann. Unter dem Arbeitstitel „Hybride Streetwork“ wird vertiefend an den erarbeiten Fragestellungen und Themeninhalten weitergearbeitet, geforscht und diskutiert.

hier findet ihr die Zusammenfassung der Ergebnisse des Arbeitstreffens:

Doku.HybrideWerkstatt

Spendenübergabe an Nightlife-Streetwork

Sachgebietsleiter Lutz Wiederanders, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Bildung Dr. Nicolas Tsapos, Projektleiterin Mobile Jugendarbeit Katrin Zschuckelt, Alexander Malios, Vorstandsvorsitzender Leipziger Kinderstiftung

v. l. n. r.: Sachgebietsleiter Lutz Wiederanders, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Bildung Dr. Nicolas Tsapos, Projektleiterin Mobile Jugendarbeit Katrin Zschuckelt, Vorstandsvorsitzender Leipziger Kinderstiftung Alexander Malios (Bildquelle: Straßensozialarbeit Leipzig)

Das Sachgebiet Straßensozialarbeit am Amt für Jugend, Familie und Bildung und der Mobile Jugendarbeit Leipzig e. V. führen seit 2012 gemeinsam das Projekt “Nightlife-Streetwork” durch. Dabei werden sie vom Leipziger Kinderstiftung e. V. finanziell unterstützt.

Das Projekt wird ein Mal monatlich an Diskothen und bei größeren Partys durchgeführt. Die Leipziger Streetworker_innen informieren über die Risiken von Alkohol- und Drogenkonsum im Partykontext und verteilen so genannte One-Night-Stand-Packs mit Kondomen und Infomaterial zu sexuell übertragbaren Krankheiten (STI). Mit dem Ansatz universeller Prävention werden jeweils ca. 500 junge Menschen erreicht.

Die öffentliche Spendenübergabe in Anwesenheit des Amtsleiters Dr. Nicolas Tsapos fand in den lokalen Medien Niederschlag:

Leipziger Volkszeitung, 18. März 2015, Seite 18

Jugendsozialarbeit auch in Diskotheken

Der Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen ist laut Sächsischem
Drogen- und Suchtbericht 2014 leicht rückgängig. Einen Teil dieses
Erfolgs können sich sicherlich die Straßensozialarbeiter – sogenannte
Streetworker – auf die Fahne schreiben, die Jugendliche aktiv ansprechen
und aufklären.
So auch bei dem Projekt “Nightlife-streetwork” in Leipzig: Hier werden
junge Partygänger mit dem Slogan “Sprich mit uns” vor Clubs, Diskotheken
und auf der Kleinmesse für die Gefahren des Nachtlebens sensibilisiert.
Seit fünf Jahren existiert die Kooperation zwischen dem Verein “Mobile
Jugendarbeit Leipzig” und der Stadt Leipzig, seit drei Jahren gibt es
dabei finanzielle Unterstützung durch die Leipziger Kinderstiftung.
Deren Vorstandsvorsitzender Alexander Malios freute sich gestern, die
jährliche Spende von 2000 Euro übergeben zu können: “Wir wollen
,Nightlifestreetwork’ langfristig unterstützen, damit die Maßnahmen
nicht nur fortgeführt, sondern auch erweitert werden.”
Mit den 2000 Euro finanzieren die Streetworker Flyer, Verhütungs-Pakete
und anderweitige Ausrüstung. In Viererteams und mit großen “Sprich uns
an”-Taschen um den Hals ziehen sie dann los, um Partygänger in der
Warteschlange anzusprechen. “Nicht alle wollen mit uns reden”, erklärt
Streetworker Willie Wildgrube, “aber insgesamt kommt unser Angebot gut
an. Wir kommen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, sondern
erklären offen die Risiken und worauf die Jugendlichen bei Alkohol,
Drogen und Sex achten sollten.” ie

Weitere Fundstellen bei

Freie Presse: Sportangebote sollen Rutsch auf die schiefe Bahn verhindern

Stephan Kämpf hat als Streetworker seine speziellen Methoden, um Jugendlichen aus der Klemme zu helfen. Vor allem beim Fußball baut er Vertrauen zu den jungen Leuten auf, wobei er nicht bei allen Erfolg hat.

Streetworker mit Jugendlichen auf dem Bolzplatz

Streetworker Stephan Kämpf mit Jugendlichen auf dem Bolzplatz an der Bodelschwinghstraße.
Foto: T. Söll

Laura war noch sehr jung, lebte allein in ihrer Wohnung in Schloßchemnitz. Und sie hatte ein ernsthaftes Problem: Laura war drogenabhängig, konsumierte regelmäßig Crystal-Meth. In der Folge konnte sich nicht mehr konzentrieren, war oft hektisch und vergaß Termine, die weiter reichten als der nächste Tag. Oft hatte sie Bauchschmerzen, ging aber nicht zum Arzt. Ihre Wohnung war verwahrlost, die Miete hatte das junge Mädchen schon mehrere Monate nicht bezahlt. Ein kleiner Schuldenberg türmte sich auf. Doch die Drogen blendeten ihre Probleme aus. Erst als der Vermieter mit der Räumung der Wohnung drohte, merkte Laura, dass sie ernsthaft in der Klemme steckte. Letzter Ausweg: Stephan Kämpf, Streetworker.

Der studierte Sozialpädagoge ist einer der Mitarbeiter im Domizil, einem Verein, der sich um die Probleme von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kümmert, vorrangig in den Gebieten Altchemnitz, Schloßchemnitz und auf dem Kaßberg. Er arbeitet seit vier Jahren als Streetworker, hat einen guten Überblick über die Probleme der jungen Leute. “Laura ist einer der krasseren Fälle gewesen”, sagt er, “aber kein Einzelfall.” Weiterlesen

In der Hitze der Stadt – das Leipziger Magazin »kreuzer« über das Sachgebiet Straßensozialarbeit

In der Hitze der Stadt

Die Streetworker der Stadt Leipzig stehen jeden Dienstagabend gegenüber vom
Hauptbahnhof und geben Essen an bedürfige Jugendliche aus. Doch die jungen
Menschen bekommen mehr als nur eine warme Mahlzeit: Lebenshilfe, Akzeptanz
und ein offenes Ohr

Ende August, es ist heiß in Leipzig. Eine drückende Schwüle hatte den Nachmittag damit verbracht, sich über der Stadt auszubreiten. Die Luft im Auto steht; nur der Fahrtwind verschafft kurzzeitige Abkühlung. Das Warten an der Ampel gerät zur Geduldsprobe, während sich der Schweiß auf der Haut zu einem klebrigen Film verdichtet.

Streetmobil: Straßensozialarbeit am Schwanenteich in der Leipziger Goethestraße

Foto: kreuzer / Franziska Barth

Benedikt, Streetworker im Leipziger Südosten, lässt sich von der Hitze nicht beirren. Während er die Ampel beobachtet, erzählt er, wie wichtig die Trennung von Arbeit und Privatleben ist. Daheim müsse man auftanken. Die Fähigkeit, Feierabend machen zu können, abzuschalten, sobald zu Hause die Tür ins Schloss fällt, sei wichtig, sagt er. »Das muss einem liegen. Aber es gibt Grenzfälle. Zum Beispiel wenn es um Kinder geht – spätestens wenn man eigene Kinder hat, ist man sensibilisiert.« Würde man das alles, die Schicksale und Bilder, mit nach Hause nehmen, wäre es irgendwann zu viel, fügt Benedikts Kollegin Annette vom Beifahrersitz aus hinzu.

Seit 17 Jahren ist Benedikt als Streetworker in Leipzig unterwegs. Er kümmert sich wie seine zehn Kolleginnen und Kollegen um jugendliche Obdachlose, Drogenabhängige und andere junge Menschen in Problemlagen. Wenn er Weiterlesen

Aus dem aktuellen Corax: Profilschärfung „13“

Der LAK MJA hat wieder einen Beitrag im Corax 6/2013, dem Fachmagazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen. Sascha Rusch aus dem Vorstand und unser Pressesprecher Dieter Wolfer haben zur Reformierung unserer fachlichen Standards für Mobile Jugendarbeit/Streetwork (PDF: 208kB) geschrieben:

Der Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V. (LAK MJA) hat seit Ende 2010 einen intensiv geführten Profilschärfungsprozess initiiert. Ausgangspunkt für die Profilschärfung des Arbeitsfeldes Mobile Jugendarbeit/Streetwork waren starke Unsicherheiten und landesweite Kürzungen in Sachsen. Diesen Prozess wollen wir hier darstellen. Wir wollen aber auch verdeutlichen, dass ein Profilschärfungsprozess einmal in Mobiler Jugendarbeit/Streetwork angestoßen, weitergeführt werden muss und somit als ein selbstverständlicher Teil konzeptioneller Qualitätsmerkmale Einzug hält, vor allem wenn Wirkungsdialog und Qualitätsstandards wirkungsvoll und nachhaltig etabliert werden sollen. Der dargestellte Prozess zeigt die Organisations- und Qualitätsentwicklung. Dies ist somit beispielgebend für andere Berufsfelder. [Auszug]

Hier ist der vollständige Artikel (PDF: 4,2MB) mit freundlicher Genehmigung des Corax Magazins. Der Abschlussbericht zum Profilschärfungsprozess (PDF: 5,5MB) ist ebenfalls nachzulesen.

Wenn die Arbeit auf der Straße lebt

Leipzigs Streetworker versuchen, Jugendliche im freien Fall aufzufangen

Sie verstehen sich als eine Art soziale Ingenieure, bauen Brücken zu jungen Menschen, die nicht mehr so einfach zu erreichen sind: Straßensozialarbeiter oder Streetworker. In Leipzig tragen etwa 35 Frauen und Männer dazu bei, dass der soziale Frieden erhalten bleibt. Zehn Kollegen kümmern sich im Auftrag der Stadt um ihre Klientel: Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren, in deren Lebensläufen Straßen- und Drogenkarrieren, Delinquenz, Gewalt und Vernachlässigung stehen.

Straßensozialarbeit Leipzig in Leipziger Volkszeitung, 28./29. Dezember 2013, Seite 17

Streetwork in der Eisenbahnstraße: Sozialarbeiterin Heike Strobel (links) sieht Praktikant Dennis Dignat (Mitte) zu, der Klamotten mit Besucherin Sabine aussucht.
Foto: Andreas Döring

Es dauert, bis Sara H.* auftaut. “Ich bin seit Ostern 2010 in der Stadt”, beginnt die 21-Jährige vorsichtig, “davor habe ich in Dresden und Nürnberg gelebt.” Zum Teil auf der Straße. Heute wohnt Sara mit ihrem Freund zusammen, holt ihre Mittlere Reife nach und nimmt keine Drogen. Stigmatisiert wird sie trotzdem. “Weil ich gepierct bin und Zotteln habe.” Die junge Frau deutet auf ihre Filzlocken. Damit sticht sie auch aus dem Publikum um sie herum heraus.

Eine Handvoll Klienten sitzt in der Kontakt- und Beratungsstelle Eisenbahnstraße, Hausnummer 11, auf der Couch, wäscht Wäsche oder durchkämmt das Regal, in dem sich Kleiderspenden stapeln. “Es ist eine Anlaufstelle für jeden”, kommentiert Weiterlesen